Stand: 08.05.2019 14:17 Uhr

Bei Rendsburg: Viele Verletzte nach Zugunglück

Ein Zug ist am frühen Mittwochmorgen um 4.36 Uhr in Alt Duvenstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) mit einem Sattelschlepper zusammengestoßen. Dabei wurden nach neuesten Angaben der Bundespolizei und Feuerwehr zwölf Menschen verletzt, zwei davon schwer. Die Bahnstrecke zwischen Rendsburg und Owschlag ist voraussichtlich wegen Reparaturarbeiten bis kommenden Mittwoch gesperrt, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Davon betroffen sind die Verbindungen Kiel-Husum und Flensburg-Neumünster-Hamburg. Teile der Oberleitung wurden abgerissen. Der Zug war nach dem Zusammenprall aus den Gleisen gesprungen.

Großaufgebot an Rettungskräften

An der Unfallstelle an dem beschrankten Bahnübergang war zunächst ein Großaufgebot an Rettungskräften im Einsatz - 100 Helfer waren vor Ort. Die Einsatzkräfte konnten erst nach Sperrung der Strecke und Abschaltung der Oberleitung den Zug evakuieren. Rettungswagen und ein Rettungshubschrauber brachten die Verletzten in die Kliniken. Vor Ort wurden insgesamt 25 Menschen erstversorgt.

Polizei: Lokführer leitete sofort eine Schnellbremsung ein

Nach ersten Erkenntnissen war der Sattelschlepper auf den Gleisen liegen geblieben. Offenbar ließ sich der Motor nicht mehr starten, nachdem er ausgegangen war. Der Lkw, eine fünfachsige Sattelzugmaschine mit einem Tieflader, transportierte eine 70 Tonnen schwere Arbeitsmaschine mit Kettenantrieb. "Der Lokführer leitete sofort eine Schnellbremsung ein, nachdem er die Situation erkannte. Er konnte jedoch die Kollision nicht mehr verhindern", sagte Michael Heinrich von der Polizeidirektion Neumünster. Durch den Aufprall sprang der Zug aus den Gleisen und kam erst nach 200 Metern zum Stehen.

Zug stößt mit Sattelschlepper zusammen: Viele Verletzte

Lkw-Fahrer springt aus Führerhaus

Der Lkw-Fahrer rettete sich nach Angaben der Bundespolizei mit einem Sprung vor dem Zusammenprall. Stefan Jepsen von der Freiwilligen Feuerwehr Owschlag berichtete, dass Helfer den Führerstand des Steuerwagens am Zug aufbrechen mussten, um den Lokführer zu befreien.

Anwohner: "Das ganze Haus hat gebebt"

Anwohner Jochen Pahl erlebte den Unfall hautnah, sein Haus steht nur 40 Meter von der Unglückstelle entfernt. "Es gab ein Bremsgeräusch des Zuges, das überhaupt nicht aufhörte", berichtete er. "Das ganze Haus hat gebebt, es gab klirrende Scheiben. Man hat gedacht, im nächsten Moment müssen die Waggons hier im Haus einschlagen." Eine Achse des Lkw flog zunächst auf sein Auto, zerstörte dort die Windschutzscheibe, dann in den Vorgarten und anschließend in das Fenster seines Gäste-WCs. "Das war der absolute Horror in der Morgenstunde", schilderte er weiter.

Er hatte mit seiner Familie Angst, das Gebäude könnte noch massiver getroffen werden. Nachbarin Birgit Orda war ähnlich erschrocken, wie viele Bewohner der idyllischen Gemeinde am Rande der Hüttener Berge nahe der A7. "Ich habe einen Knall gehört und das Haus hat vibriert", sagte sie. Ihr Mann Peter Orda, der auch Bürgermeister des Ortes ist, ergänzte: "Zum Glück gab es keine Toten."

Schwierige Bergungsarbeiten abgeschlossen

Die Bergungsarbeiten dauerten bis in den Nachmittag. Mitarbeiter der Bahn haben den entgleisten Zug wieder auf die Schienen gestellt. Auch der Sattelschlepper und die tonnenschwere Arbeitsmaschine mussten von der Strecke geräumt werden. Mehrere Schwerlastkräne sowie ein spezieller Bergungszug der Bahn waren vor Ort. Die Schäden durch die Kollision rund um die Unfallstelle sind groß. Etwa 300 Meter Gleis müssen erneuert, die Oberleitung Instand gesetzt und die Technik des Bahnübergang ausgetauscht werden.

Regionalverkehr betroffen - Busse werden eingesetzt

Der Bahnverkehr in der Region ist erheblich beeinträchtigt - insbesondere der Regionalverkehr zwischen Hamburg und Flensburg. Die Züge aus Hamburg können nur noch bis Rendsburg fahren, wie eine Bahnsprecherin sagte. In die Gegenrichtung enden die Züge in Owschlag. Auch auf der Ost-West-Verbindung zwischen Husum und Kiel kommt es zu Beeinträchtigungen.

Auf der Strecke der Linie RE 7 (Flensburg-Hamburg) fahren von Flensburg nach Rendsburg sowie in der Gegenrichtung Busse. Auch auf der Linie RE74 (Husum-Kiel) müssen Reisende zwischen Owschlag und Rendsburg auf Busse umsteigen. Züge des Fernverkehrs werden ebenfalls teilweise durch Busse ersetzt oder über Eckernförde-Kiel umgeleitet.

 

Hintergrund

Zugunglück: Strecke Rendsburg-Owschlag bis Mittwoch dicht

Nach dem Unfall in Alt Duvenstedt bleibt die betroffene Bahnstrecke bis kommenden Mittwoch gesperrt. Das hat Folgen für den Bahnverkehr zwischen Kiel und Husum sowie Flensburg und Neumünster. mehr

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Die Retter am Unfallort

Feuerwehr und Notärzte sind immer in Bereitschaft, falls irgendwo im Norden ein Unfall passiert. Wie gehen die Retter vor? Alle Infos in der Bildergalerie. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.05.2019 | 12:00 Uhr

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