Stand: 12.12.2018 17:27 Uhr

Asbest: Weitere Räume in Reinbeker Schule betroffen

Vor einer Woche musste das Schulzentrum Mühlenredder in Reinbek im Kreis Stormarn geschlossen werden, weil in zwei Räumen Asbestfasern in der Luft gemessen worden sind. Anschließend wurden alle Räume überprüft. Am Mittwoch gab die Stadt Reinbek weitere Werte der Messungen bekannt. Demnach liegt die Hälfte der Ergebnisse vor. Laut Bürgermeister Björn Warmer (SPD) sind die Räume der Amalie-Sieveking-Schule im 1. Obergeschoss und der Raum der Schulsozialarbeit besonders betroffen. Dort stellten die Fachleute eine hohe Konzentration von Asbestfasern fest.

Raum für Sozialarbeit besonders betroffen

In einem Raum für Schulsozialarbeit liegt der Wert bei mehr als 13.000 Fasern pro Kubikmeter - unter 500 Fasern pro Kubikmeter gilt ein Raum als nicht gefährlich belastet. Auffällig ist, dass vor allem der linke Bereich des Gebäudes betroffen ist. Schulleiter Olaf Bienengräber machen die Ergebnisse nachdenklich: "Es war für alle erschreckend. Für mich, weil ich schon sehr lange an dieser Schule bin und in den betroffenen Räumen ganz viel unterrichtet habe." Für die Schüler werde es am Donnerstag Informationen auf einem gemeinsamen Elternabend geben.

Im anderen Gebäudeteil der Gemeinschaftsschule ist in den meisten Räumen bislang keine oder wenig Asbestbelastung gefunden worden. Nur in einem Raum liegt der Wert bei 625 Fasern pro Kubikmeter. Wie die Stadt Reinbek mitteilte, gilt eine Belastung der sich in der Gemeinschaftsschule aufhaltenden Personen nach derzeitigem Stand als unwahrscheinlich.

Räume werden nicht mehr freigegeben

Die bemessenen Räume der Amalie-Sieveking-Schule werden auch künftig nicht mehr geöffnet. Der gesamte Komplex wird im Zuge der Sanierungsmaßnahmen 2019 zurückgebaut und die Schadstoffe entfernt. Wie mit den unbelasteten Gebäudeteilen umgegangen wird, will das Lehrerkollegium mit Schülern und Eltern gemeinsam entscheiden - verschiedene Vorschläge gebe es schon, so die Schule.

Dirk Böckmann, der Leiter der Gemeinschaftsschule, sagt dem NDR Schleswig-Holstein, dass einige Lehrer offenbar darüber nachdenken, die Stadt Reinbek zu verklagen.

Unterricht an verschiedenen Orten

Schüler und Lehrer mussten nach der Schließung der Schule umziehen. Mehr als 200 der insgesamt 700 Schüler werden nun in der ehemaligen Fritz-Specht-Schule der Nachbargemeinde Wentorf (Kreis Herzogtum Lauenburg) unterrichtet. Schüler der Oberstufe kamen in den Kellerräumen des Rathauses unter. Weitere Klassen wurden aufs Reinbeker Gymnasium verteilt oder werden in der Grundschule Mühlenredder oder in Containern, die schon längere Zeit auf dem Schulzentrum stehen, unterrichtet.

 

Asbest: Eigenschaften und Gesundheitsgefahren

Da Asbest außerordentlich hitze- und weitgehend chemikalienbeständig ist, wurde er in der Vergangenheit im Baubereich häufig genutzt. Die Faserstruktur macht Asbest jedoch bei der Gewinnung, Verwendung und Entsorgung gefährlich. Die sehr feinen Fasern können mit der Atemluft in den Körper gelangen und lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen. Die von Asbest ausgehenden Gesundheitsgefahren führten 1995 zu einem Verbot von Asbestprodukten in Deutschland. (Quelle: Umweltbundesamt)

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.12.2018 | 19:30 Uhr

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