Stand: 04.04.2019 12:49 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Apothekensterben: Situation verschärft sich

von Hauke von Hallern

Mal schnell zum Apotheker um die Ecke, um etwas gegen die Erkältung zu besorgen. Das ist vielerorts längst nicht mehr möglich. Denn: In Schleswig-Holstein gibt es immer weniger Apotheken. Die Entwicklung hält seit zehn Jahren an und verschärft sich weiter. Nach Angaben der Apothekerkammer hat fast jedes achte Geschäft aufgegeben. Aktuell gibt es landesweit noch 644 Apotheken. Für viele Patienten bedeutet das Apothekensterben vor allem eines: weite Wege für Medikamente.

Wenige Apotheken in ländlichen Regionen

Besonders auf dem Land ist die Versorgung dünn: Probleme gibt es vor allem in den Kreisen Dithmarschen, Steinburg, Segeberg, Stormarn und im Lauenburgischen. Dort gibt es nach Angaben der Kammer pro 100.000 Einwohner weniger als 22 Apotheken. "Die Versorgung ist zwar nicht gefährdet, trotzdem gibt es an einigen Orten so wenig Apotheken, dass Rezeptsammelstellen eingerichtet werden müssen, zum Beispiel auf der Halbinsel Nordstrand im Kreis Nordfriesland", betont der Geschäftsführer der Apothekerkammer, Frank Jaschkowski.   

Gründe für Apothekensterben vielschichtig

Als Gründe nennt Jaschkowski die wachsende Konkurrenz durch Versandapotheken, einen Fachkräftemangel und Arzneimittelpreise, die der Gesetzgeber seit Jahren nicht erhöht habe. Denn die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente werden vom Gesetzgeber vorgegeben. Und die Preise sind seit Jahren gleichbleibend - ungeachtet der Inflation. "Deshalb haben wir den Bundesgesundheitsminister aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, die auch zukunftsweisend sind. Wir brauchen eine sichere Preisgestaltung bei den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln und hier gilt es die Marge, die seit Jahren stabil ist, anzupassen", erklärt Jaschkowski.

Gesundheitsministerium arbeitet an Gesetzentwurf

Zu schaffen machen den deutschen Apothekern auch Rabatte, die ausländische Versandapotheken ihren Kunden auf rezeptpflichtige Medikamente gewähren. Sie würden der Online-Konkurrenz einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Das will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stoppen und die Rabatte verbieten. Der Minister arbeitet derzeit an einem Gesetzentwurf. Sein Eckpunktepapier sieht außerdem vor, die Vergütung von Notdiensten zu verbessern und die Dienstleistungen der Apotheken auszuweiten. Unter anderem sollen Apotheken künftig die Einnahme von Arzneimitteln überwachen.

Krankenkassen kritisieren Apotheken-Strukturen

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen kritisiert, dass es bei den Apotheken noch viele althergebrachte Strukturen gebe. Diese sorgten dafür, dass viele Möglichkeiten nicht genutzt werden. Dazu gibt es auch ein Positionspapier der Krankenkassen. Darin heißt es, dass die Abgabe von Medikamenten teilweise sogar deutlich überfinanziert ist. Zum Beispiel gibt es für das Zusammenmischen bestimmter Krebsmedikamente sehr viel Geld. Das machen einige wenige Apotheken und das Geld fehlt dann wieder für andere Leistungen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.04.2019 | 05:00 Uhr

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