Auf einer Autobahn steht ein Rettungshubschrauber, dahinter ein Rettungswagen. © Nord-West-Media TV

Angriff auf Rettungssanitäter: Sechs Monate Gefängnis

Stand: 01.06.2021 16:26 Uhr

Weil er Sanitäter während ihres Einsatzes angegriffen haben soll, stand am Dienstag ein Mann vor dem Amtsgericht Elmshorn. Er wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Und solche Fälle sind keine Seltenheit.

Laut Anklage brachten Rettungskräfte im Oktober 2020 gerade eine bewusstlose Frau in den Rettungswagen, als der Mann sie angriff. Auch die Polizisten vor Ort in Elmshorn soll er beleidigt haben. Das Amtsgericht Elmshorn hat den 24-jährigen Angeklagten für diesen Angriff am Dienstag zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Weil er vorbestraft ist, ist die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt.

Der 24-Jährige gestand vor Gericht, den Sanitäter bei dem Einsatz im Oktober ins Gesicht geschlagen zu haben. Er sagte, seine Freundin sei vor einem Wohnhaus in Elmshorn umgekippt. Laut seiner Aussage wollte der behandelte Sanitäter ihn dann nicht helfen lassen. Darüber wurde er so sauer, dass er den Sanitäter angriff. Ein Atemalkoholtest ergab damals einen Wert von knapp 1,5 Promille.

2020: 100 Angriffe aus Rettungskräfte

Dass Rettungskräfte angegriffen und beleidigt werden, kommt häufig vor. Der Polizei sind aus dem vergangenen Jahr insgesamt 100 Fälle bekannt. Das seien genau so viele wie im Jahr zuvor, obwohl es wegen der Corona-Pandemie kaum Großveranstaltungen gab. Meist werden Angriffe und Beschimpfungen laut Polizei nicht angezeigt. Deshalb sei die Dunkelziffer hoch.

Plötzlich in den Lauf eines Revolvers geguckt

Einer, der diese Vorkommnisse kennt, ist der Notfallsanitäter Christian Mandel. "Kollegen von mir wurden zu einem Einsatz gerufen, wo hinter der Tür ein bewaffneter Mensch mit einem Revolver stand, die haben in den 9-Millimeter-Lauf geguckt. Das ist etwas, womit man wirklich nicht rechnet."

Auch Mandel selbst wurde schon bedroht, vor ein paar Jahren bei einem Notfall mit einem Kind. "Es war eine schon skurrile Situation. Das Kind lebte auf dem Dachboden wie in einem Gefängnis. Wir wollten das Kind behandeln, dann hat der Vater die Tür zugeschlossen. Wir waren also eingeschlossen, praktisch gefangen", berichtet er. Die Polizei musste ihn, sein Team und das Kind befreien.

Hilfsangebote für Notfallsanitäter

Es sei besonders schwierig, wenn er von Menschen mit klarem Verstand angegriffen werde, sagt Mandel. "Wenn Drogen und psychische Dinge eine Rolle spielen, dann ist das eine andere Ausgangssituation." Er ist froh, dass es Hilfsangebote für angegriffene Notfallsanitäter gibt, von einem Gespräch mit Kollegen bis hin zu einer psychologischen Beratung. "Obwohl es eigentlich nicht nötig sein sollte, Notfallsanitätern zu helfen", betont Manel, "wir sind ja da, um zu helfen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.06.2021 | 17:00 Uhr

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