Stand: 23.10.2019 05:00 Uhr

Allein mit 79 kleinen Igeln: Igel-Mama bekommt Hilfe

Das Haus von Ingeborg Bauermeister in Halstenbek im Kreis Pinneberg platzt aus allen Nähten. Überall im Untergeschoss stehen Umzugskartons. Doch Bauermeister zieht nicht aus oder um. In den Kartons leben insgesamt 79 Igel-Babys, die von der 81-Jährigen von Hand aufgezogen werden. "Die bekommen alle vier Stunden was zu essen. Wenn ich morgens mit allen durch bin, dann hab ich kurz Zeit was anderes zu machen und dann muss ich wieder füttern", sagt die (Ersatz-) Igel-Mama.

Halstenbek: Die Mama aller Igel bekommt Hilfe

Rattengift und zerstörte Laubhaufen töten die Eltern

Die Babys, die zu ihr gebracht werden, wiegen im Schnitt gerade einmal 100 Gramm. Zuletzt ein Wurf mit neun kleinen Baby-Igeln. Die Mütter werden häufig durch Giftköder getötet, erzählt Bauermeister. "Die Leute sollen aufhören, Rattengift auszulegen und Laubhaufen zu zerstören. Damit töten sie die Eltern und ich weiß nicht mehr, wohin mit den Babys", erklärt die Igel-Mama verzweifelt. Bereits vor einigen Wochen sei eigentlich ihre Kapazität erschöpft gewesen. Inzwischen stehen schon Igel-Kartons in ihrem Schlafzimmer.

Um die Igel-Mama in Halstenbek zu unterstützen, hatten sich Bürger an Sigrid Kruse vom Umweltausschuss gewandt. Der Gemeinde seien in dem Fall aber die Hände gebunden, so Kruse. Zum einen sei es nicht die Sache des Umweltausschusses, und zum anderen wären eventuelle Gelder erst im nächsten Jahr verfügbar. Doch Kruse gab nicht auf: "Ich habe zuerst versucht, über Spendenanfragen bei Institutionen Hilfe für Frau Bauermeister zu erreichen und habe mich dann an Baumärkte gewendet, ob diese helfen können", erklärt sie.

Praktische Hilfe von verschiedenen Seiten

Und ihre Bitten sind gehört worden: Ein Nachbar stellte Platten für eine Art Fundament zur Verfügung, die von Helfern des Bauhofs schon verlegt wurden. Außerdem hatte sich ein Baumarkt aus Rellingen gemeldet, der ein Holzhaus für die Igel spendierte. "Das soll am Donnerstag aufgebaut werden. Danach wird die Jugendorganisation des Naturschutz Bundes Schleswig Holstein (NABU) Regale einbauen, damit mehr Igel-Kartons untergebracht werden können", verkündet Kruse erfreut.

Im Hause Bauermeister geht bis dahin der Alltag zwischen den Umzugskartons weiter. "Heute habe ich Unterstützung", sagt die Igel-Mama, während sie versucht, die Igel-Babys mit Hundefutter aus ihren Kartonverstecken zu locken. "Sonst mache ich das hier alles allein. Ich bin im Igelschutz-Komitee und bekomme darüber manchmal finanzielle Unterstützung oder günstigeres Futter."

Kuscheleinheit für Igel

Dass die Kartons bald aus ihrem Wohnzimmer und Schlafzimmer kommen, darüber freut sich Bauermeister. Auch dass Sigrid Kruse die ganze Organisation dafür übernommen hat. "Ich habe hier schon so viel zu tun. Das könnte ich nicht noch nebenbei", sagt die 81-Jährige. Nach einer kleinen Kuscheleinheit mit einem Igel, der inzwischen von der Flasche entwöhnt ist, geht es weiter mit dem Wischen des Fußbodens. In gut einer Stunde geht dann schon wieder die nächste Fütterung los.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Horst und Mandy am Morgen | 23.10.2019 | 08:20 Uhr

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