Ein Blick von außen auf das Landgericht Itzehoe.  Foto: Bodo Marks

Totschlag in Kleingarten: Rentner muss acht Jahre in Haft

Stand: 03.12.2020 15:35 Uhr

Ein 74-Jähriger ist vor dem Landgericht in Itzehoe zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt worden. Er tötete nach Aussage der Schwurgerichtskammer einen 38-Jährigen in einem Kleingarten.

Das Opfer war im März diesen Jahres zunächst gewürgt und dann mit 27 Stich- und fünf Schnittverletzungen getötet worden. Die 5. Große Strafkammer des Landgerichts folgte in ihrem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage. Sie stützte sich vor allem auf Faserspuren von der Kleidung des Angeklagten beim Opfer sowie auf Blutspuren auf Jacke, Hose und Stiefeln des 74-Jährigen. Beide Männer waren demnach zusammen in der Laube gesehen worden, und der Beklagte sei auch körperlich in der Lage gewesen, die Tat zu begehen. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert, da die Täterschaft nicht eindeutig nachzuweisen sei. Der Angeklagte hatte sich zu keinem Zeitpunkt des Prozesses zu den Vorwürfen geäußert und nahm das Urteil am Donnerstag äußerlich regungslos auf.

Justitia vor Paragrafen. © imago Foto: Ralph Peters, imago/CTK Photo

AUDIO: Itzehoe: Lange Haftstrafe für Totschlag (1 Min)

In Ermangelung von Zeugen und Aussage: Motiv unklar

Weil es keine Zeugen gab und der Angeklagte schwieg, mussten die Ermittler den Ablauf der Tat anhand der Spuren rekonstruieren. Warum es zu einer Auseinandersetzung kam, bei der der Mann sein Opfer angegriffen und getötet hat, konnten die Ermittler nicht aufklären. Der Richter sagte bei der Urteilsbegründung, die Tat sei von massiver Gewalt geprägt gewesen. Der Täter stach insgesamt 32 Mal zu. Getroffen wurden unter anderem der Hals, das Gesicht und der Intimbereich.

Angreifer und Opfer waren stark alkoholisiert

Der Enkel des Angeklagten meldete sich am Abend des Tattages beim Rettungsdienst. Als Krankenwagen und Polizei im Kleingarten eintrafen, fanden sie den Toten. Anhand der Spurenlage sprach die Gerichtsmedizin von einem raschen Würgeangriff des Beschuldigten. Das Opfer hatte einen Alkoholwert von 2,45 Promille im Blut und konnte sich demnach nicht wehren. Für den 74-Jährigen wurde der Wert rückwirkend auf 3,34 Promille berechnet.

Als strafmildernd wertete das Gericht, dass der Rentner nicht vorbestraft war. Er galt zudem als hilfsbereit und freundlich. Außerdem würdigte das Gericht das hohe Alter und den gesundheitlichen Zustand des Mannes.

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Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand im Gegenlicht. © picture-alliance Foto: Arne Dedert

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.12.2020 | 15:00 Uhr

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