Stand: 24.10.2018 19:44 Uhr

A20 - eine unendliche Geschichte geht weiter

Sie war als Küstenautobahn von Brandenburg über Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein bis nach Niedersachsen geplant. Doch die Autobahn 20 endet derzeit bei Bad Segeberg - der Abschnitt westlich davon fehlt. "Seit 1992 sind in Schleswig-Holstein gerade einmal 39 der 112 Kilometer langen Autobahn fertiggestellt worden", bilanzierte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Mittwoch auf einer Pressekonferenz mit Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) und der Projektmanagementgesellschaft DEGES.

Fertigstellung bleibt offen

Alle bisherigen Einschätzungen zu Planfeststellungsbeschlüssen seien durch die zuständige DEGES neu bewertet worden: "Das heißt, wenn wir mit der Bauphase beginnen, werden die einzelnen Abschnitte - realistisch betrachtet - in den Jahren 2026 bis 2030 gebaut werden", sagte Günther.

Abschnitt bei Bad Segeberg: Kein Bagger vor 2020

Der Ministerpräsident betonte, dass die Autobahn für das Land weiterhin höchste Priorität habe. Jedoch sei wegen des zunehmend komplexen Planungs- und Umweltrechts erst in zwei bis drei Jahren mit Bauarbeiten östlich der A7 zu rechnen: "Das setzt allerdings voraus, dass das Bundesverwaltungsgericht kommenden Monat die Klagen gegen den Weiterbau auf dem Abschnitt zwischen Wittenborn bei Bad Segeberg und der A7 zurückweisen wird", sagte Günther.

Gericht entscheidet über drei Klagen

Nach Angaben von Verkehrsminister Buchholz laufen derzeit vertrauliche Gespräche mit den klagenden Naturschutzverbänden und Gemeinden. "Auch wenn wir mit den Verbänden noch keinen Durchbruch erzielen konnten, so haben wir immerhin erreicht, dass die Gemeinde Klein Gladebrügge ihre Klage gegen den Abschnitt zwischen der A7 und Wittenborn zurückgezogen hat", sagte Buchholz. Das Verwaltungsgericht müsse daher nicht über vier, sondern nur drei Klagen verhandeln.

Grüne: Dialog mit Umweltverbänden lohnt sich

SPD-Landeschef Ralf Stegner bezeichnete den neuen Zeitplan als "volles Eingeständnis des Scheiterns dieser Landesregierung". Lars Harms vom SSW rät dagegen zu einem Schlussstrich unter die parteipolitischen Schlammschlachten. Fakt sei, dass es - mit gelegentlicher Ausnahme der Grünen - immer einen parteiübergreifenden Konsens gegeben habe, die A 20 bauen zu wollen. Für die Grünen hob Parteichef Steffen Regis hervor, dass die geplante Trasse durch eine der sensibelsten Naturregionen Deutschlands führe. Ein vorausschauender Dialog mit den Umweltverbänden - auch über Alternativrouten - lohne sich daher allemal.

Lob und mahnende Worte von Unternehmensverbänden

Bei Wirtschaftsvertretern löste der neue Zeitplan keine Jubelstürme aus, trotzdem gab es Lob: für die offensive und transparente Kommunikation von möglichen Problemen und Lösungsansätzen. Einig sind sich die Sprecher der Unternehmensverbände Nord (UV Nord) und Unterelbe-Westküste darin, dass es jetzt keine weiteren Verzögerungen mehr geben dürfe. Die A20 sei ein wichtiges Infrastrukturprojekt für Schleswig-Holstein, sagte UV-Nord-Präsident Ulrich Wachholtz. Kritik kommt von der Naturschutzorganisation BUND: "Die Landesregierung ist gut beraten, die A20-Pläne auf Eis zu legen, um weitere Schäden an Natur und Klima zu verhindern", sagte Landesgeschäftsführer Ole Eggers.

Verzögerungen seit 1990er Jahren

Der Weiterbau der Autobahn 20 in Schleswig-Holstein ist seit dem ersten Spatenstich an von Klagen begleitet. Vor allem Naturschutzgründe hatten immer wieder zu Verzögerungen und Baustopps geführt: Fledermäuse, Haselmäuse, Zwergschwäne und ein Adlerhorst machen verschiedene Artenschutzmaßnahmen nötig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.10.2018 | 17:00 Uhr

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