Stand: 22.06.2020 20:53 Uhr

Schlachthof: Es geht auch ohne Ausbeutung

Schweine hängen kopfüber in einem Schlachthof. Daneben ein Mitarbeiter mit Messer. Das Foto wurde an den Schnitten unscharf gemacht. © dpa-Bildfunk Foto: Ingo Wagner
Im Schlachthof Brand in Lohne werden täglich 3.000 Schweine geschlachtet - und mittlerweile auch zerlegt (Themenfoto).

Nicht erst seit den Corona-Ausbrüchen der vergangenen Wochen haben Schlachtbetriebe einen schlechten Ruf. Im Mittelpunkt der Kritik stehen immer wieder die Beschäftigungsverhältnisse. Werkvertragsarbeiter sind oft nicht nur schlecht bezahlt, sondern werden teilweise auch in Sammelunterkünften untergebracht - was als Hauptgrund für die schnelle Verbreitung der Coronaviren gilt. Dass es auch ohne Werkvertrag geht, zeigt ein Mittelständler aus dem Landkreis Vechta. Der Schlachthof Brand in Lohne setzt seit Jahren auf festangestellte Arbeitnehmer. Geschäftsführer Niko Brand verweist gegenüber NDR Niedersachsen auf die Vorteile, darunter eine größere Verbundenheit zum Unternehmen. "Ich kann für den Mitarbeiter da sein. Aber im Gegensatz ist er auch für mich da", sagt Brand.

VIDEO: Schlachten ohne Leiharbeiter: Wie geht das? (3 Min)

Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung für 200 Euro Miete

Sein Mitarbeiter Marcin Sieg bestätigt dies. Der Pole kam schon vor Jahren gemeinsam mit seinem Vater nach Lohne. Er wohnt allein in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung, die das Unternehmen ihm für 200 Euro plus Nebenkosten vermietet. Sieg sagt, er sei schon seit 16 Jahren beim Schlachthof Brand angestellt und könne daher nicht direkt vergleichen. Von anderen Menschen habe er aber erfahren, dass es "wirklich gut" in dem Betrieb in Lohne sei. Sieg und seine knapp 200 Kollegen verdienen demnach verhältnismäßig gut. In ihrem Unternehmen soll der interne Mindestlohn bei 11 Euro die Stunde liegen, viele sollen zudem deutlich mehr verdienen. Der Mindestlohn in der Branche liegt dagegen bei 9,35 Euro.

Werkverträgler übernommen

Auch wirtschaftlich laufe es gut für den Schlachtbetrieb, so Geschäftsführer Brand. 3.000 Schweine werden hier jeden Tag geschlachtet. In diesem Jahr wurde der Betrieb ausgebaut - seitdem werden die Schweinehälften hier auch zerlegt. Die dafür benötigten Mitarbeiter hat Brand von einem anderen Betrieb übernommen - mit Werkvertrag. Das will er aber schnell ändern. Weil sein Betrieb wenig Schwankungen in der Zahl an zu zerlegenden Schweinen habe, könne er darauf verzichten, sagt Brand.

"Das sind alles Menschen"

Der Geschäftsführer betont, dass ihn das Verleihen von billigen Arbeitskräften mit Werkverträgen ärgert. "Letztendlich sind das alles Menschen und es ist kein Wertgegenstand, den ich einfach vermittele oder verhökere", sagt Brand.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 22.06.2020 | 19:30 Uhr

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