Stand: 30.04.2020 07:52 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Rücktritt nach Zoff um Trampoline im Kleingarten

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Osnabrücks Kleingärten sind ab sofort trampolin- und planschbeckenfreies Gebiet. Zumindest theoretisch.

Großer Streit um kleine Gärten: Nach einem Zeitungsbericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) über das Verbot von Trampolinen in Osnabrücker Kleingärten bekommt der Streit nun eine politische Ebene und hat personelle Konsequenzen. Wie die NOZ berichtet, ist der Vorsitzende des Kleingärtnervereins Osnabrück West zurückgetreten. Die SPD-Fraktion im Osnabrücker Stadtrat kritisierte unterdessen den Oberbürgermeister der Stadt.

Richtlinien von Verband und Stadt unterzeichnet

Darum geht es: Im November 2019 sind die Baurichtlinien für Kleingärten in Osnabrück geändert worden. Das Papier ist unterzeichnet von der Stadt Osnabrück, vertreten durch den Abteilungsleiter "Osnabrücker ServiceBetrieb Planung und Bau" sowie vom Ersten Vorsitzenden des "Bezirksverbandes Osnabrück der Kleingärtner". Zu den Änderungen gehört, dass Trampoline, große Planschbecken und fest verankerte Pavillons in Osnabrücks Kleingärten nicht mehr erlaubt sind. In der Eingangspassage heißt es, die Richtlinien seien von Verband und städtischen Abteilungen gemeinsam erarbeitet worden. Ob die Richtlinie umgesetzt wird, kontrollieren die einzelnen Vereine selbst. In der Richtlinie ist unter anderem auch festgehalten, dass für ungenehmigte Bauten im Nachhinein eine Duldung ausgesprochen werden kann. Während das Thema in einigen Gartenanlagen bisher noch keine Rolle gespielt hat, nahmen andere die neuen Vorschriften nach NDR Informationen sehr genau.

Gärtner können Vorschrift nicht nachvollziehen

Im Kleingartenverein West wurden die Mitglieder demnach im März per Post informiert. Viele seien einsichtig gewesen und hätten ihre Trampoline sofort abgebaut, hieß es vonseiten des Vorstands. Doch die Vorgaben sorgten auch für Kopfschütteln, wie NDR 1 Niedersachsen weiter berichtete. Gerade jetzt, angesichts der Corona-Pandemie, sei das Spielen und Toben im Garten für Kinder besonders wichtig. "Warum nimmt man Kindern den ganzen Spaß? Die sitzen ja sowieso zu Hause", war von Kleingärtnern zu hören.

Trampolin als Sicherheitsrisiko

Das Hauptargument der Trampolin-Gegner: Die Geräte seien oft nicht ausreichend gesichert und könnten bei starkem Wind schnell zur Gefahr werden. Außerdem müsse neben vorhandenen Sandkästen, Rutschen und Schaukeln ein Trampolin nicht unbedingt im Kleingarten stehen, sagte Ingrid Kükral vom erweiterten Vorstand des Kleingartenvereins West.

Kükral: Badewasser belastet Grundwasser

Auch für die Abschaffung von Planschbecken gibt es nach Ansicht von Kükral triftige Argumente. In ihrem Verein habe es viele große Becken gegeben, in direkter Nachbarschaft zu Gemüsebeeten. "Dann kommt da immer etwas rein, damit das Wasser schön klar ist. Später wird das Wasser rausgelassen und wir haben es im Grundwasser", so Kükral.

Trampolin - unerwünscht oder erholsam?

Die Regelungen und deren Umsetzung sind Sache der Kommunen. Laut Joachim Roemer, dem Präsidenten des Landesverbandes der Niedersächsischen Gartenfreunde, legen diese die einzelnen Punkte sehr unterschiedlich aus. Unterstützt ein Trampolin die Erholung, um die es beim Kleingärtnern ja gehen soll? Oder ist das Gegenteil der Fall? In Hamburg muss ein Trampolin beispielsweise nach jeder Nutzung wieder abgebaut werden.

Vorsitzender tritt zurück

Laut NOZ-Bericht vom Mittwoch hat der Vorsitzende des Kleingartenvereins West schriftlich seinen Rücktritt erklärt. Darin beziehe er sich auf einen Zeitungsartikel, in dem es um eine Parzellenpächterin ging, die das Verbot nicht habe hinnehmen wollen. Laut Bericht hat auch der zweite Vorsitzende sein Amt niedergelegt.

Heftige Reaktionen aus Bevölkerung und Politik

Die NOZ berichtet in ihrem Artikel von einer "Welle der Empörung". Im Internet habe es viele heftige Reaktionen zum Trampolin-Verbot gegeben. Darüber hinaus hätten sich Politiker verschiedener Parteien zu Wort gemeldet. Unter anderem kritisiert die SPD Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU). "Diese Richtlinie wurde ohne Beteiligung der Ratsgremien von der Verwaltung erlassen", so die Fraktion. Und weiter: "Die Informationspolitik des Oberbürgermeisters lässt viel zu wünschen übrig." Laut NOZ hatte Griesert sich öffentlich auf die Seite der Kleingarten-Pächter gestellt und appelliert, die Spielgeräte zu dulden, so lange öffentliche Spielplätze wegen der Corona-Pandemie geschlossen sind. Der Osnabrücker ServiceBetrieb habe zudem darauf verwiesen, dass die Vereine sich die Richtlinie selbst auferlegt hätten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.04.2020 | 08:00 Uhr

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