Stand: 03.04.2018 16:57 Uhr

Pastor bietet Puigdemont Kirchenasyl an

von Birgit Schütte
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Pastor Karl-Wilhelm ter Horst ist Pazifist und hilft auch Flüchtlingen.

Gerade hat die Generalstaatsanwaltschaft von Schleswig-Holstein beantragt, den in Deutschland festgenommenen ehemaligen katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont nach Spanien ausliefern zu lassen. Über den Antrag muss nun das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht entscheiden. Keine gute Nachricht für Pastor Karl-Wilhelm ter Horst aus Ohne bei Schüttorf (Grafschaft Bentheim): "Ich schäme mich für Deutschland", sagt er. Für ihn wäre es ein Skandal, wenn Puigdemont ausgeliefert würde. "Die Finnen haben ihn nicht ausgeliefert. Die Belgier nicht. Aber wir, die Deutschen, müssen ihn ausliefern: Das ist päpstlicher als der Papst." Der evangelische Pastor hatte über Ostern bekannt gemacht, dass er Puigdemont Kirchenasyl anbietet. Symbolisch, schließlich sitzt der ehemalige katalanische Präsident im Gefängnis. Es sei eine Geste der Solidarität mit dem Politiker, der auf der Rückreise aus Finnland auf einem Rastplatz in Schleswig-Holstein aufgrund eines europäischen Haftbefehls festgenommen wurde. Puigdemont wird Rebellion und die Veruntreuung von öffentlichen Geldern vorgeworfen.

Idee kommt von Gemeindemitgliedern

Seine Gemeindemitglieder haben Pastor ter Horst auf die Idee gebracht, Puigdemont Asyl anzubieten. Der Pastor im Ruhestand hilft in verschiedenen Gemeinden in der Grafschaft Bentheim regelmäßig aus und hat viele Kontakte. Sehr viele Menschen hätten ihn in den vergangenen Tagen angesprochen: Sie fänden es nicht richtig, dass jemand wie Puigdemont, der lediglich politisch aktiv war, womöglich 30 Jahre ins Gefängnis muss. Daraufhin sei ihm die Idee gekommen, dem ehemaligen katalanischen Präsidenten in Anlehnung an die Tradition des Kirchenasyls in Ohne Asyl anzubieten, erzählt ter Horst. Er hofft, dass das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht gegen eine Auslieferung entscheidet. Falls Puigdemont politisches Asyl in Deutschland gewährt wird, stellt der Pastor sein Privathaus zur Verfügung. "Eine gute Idee", sagten ihm Ostern viele Gemeindemitglieder. Puigdemont sei im Dorf willkommen.

Pastor hilft auch Kriegsdienstverweigerern

Der evangelische Pastor aus dem kleinen Ort in der Samtgemeinde Schüttorf in der Grafschaft Bentheim ist überzeugter Pazifist. Bereits seit vielen Jahren setzt er sich für Flüchtlinge ein. Auch hat er sich in der Vergangenheit schon für Kriegsdienstverweigerer oder Soldaten eingesetzt. So unterstützte er während des zweiten Irakkriegs in Deutschland stationierte amerikanische Soldaten, die nicht in den Krieg ziehen wollten. Mithilfe eines europaweiten Netzwerks wurde ihm angeboten, sie zu verstecken und unterzubringen. Bei dieser Aktion lernte der Pastor Nina Hagen kennen. Sie hat damals die Mission unterstützt und sich später von ter Horst taufen lassen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.04.2018 | 16:00 Uhr

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