Stand: 24.07.2020 06:42 Uhr

Osnabrücker Studie: Deutsche meistern Corona-Krise

von Josephine Lütke
Ein Abstandsschild vor einer Landschaft mit Gras und Wasser. © picture alliance Foto: Fotostand Harlesie
Abstand halten - und zwar überall. Die Menschen in Deutschland sind mit den Beschränkungen in der Corona-Krise überwiegend gut zurecht gekommen. (Themenbild)

Seit fast fünf Monaten hat das Coronavirus das Leben der Menschen verändert. Masken tragen, Abstand halten, keine Partys: Das sind noch die einfacheren Einschränkungen. Manche bangen aber auch um ihre Existenz oder haben ihren Job schon verloren. Was macht das mit einer Gesellschaft? Wie geht es den Menschen in der Krise? Diesen Fragen ist jetzt ein Forscherteam der Universität Osnabrück nachgegangen. Sie haben eine repräsentative Online-Umfrage mit 1.050 Teilnehmenden im Alter von 18 bis 74 Jahren aus ganz Deutschland gemacht. Aus Niedersachsen haben 102 Personen an der Studie teilgenommen. Das Ergebnis ist überraschend positiv.

VIDEO: Studie: Viele bewerten Corona-Zeit positiv (6 Min)

Entschleunigung und Natur

"Man hat mal ruhiger gemacht und das Motto war nicht höher, schneller, weiter." Diesen Satz hat einer der Studienteilnehmer geschrieben. Und mit dieser Meinung war er nicht allein. 42,1 Prozent der Befragten habe es genossen, mehr Zeit zum Innehalten zu haben. 44,1 Prozent nahmen sich mehr Zeit zum Entspannen. Und auch der Bezug zur Natur ist auffällig. So gaben 37,4 Prozent der Befragten an, viel mehr Zeit in der Natur zu verbringen. 57,5 Prozent stimmten zu, dass man wieder stärker mit der Natur verbunden sei. "Da scheint eine Verbindung entstanden zu sein", sagt Gesundheitswissenschaftlerin Birgit Babitsch. Das habe sie besonders überrascht.

Mehr Aufmerksamkeit für kleine Dinge

Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer gab außerdem an, dass den kleinen Dingen im Leben wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt werde und man achtsamer mit dem Leben umgehe. "Die Menschen haben sich nicht unterkriegen lassen und haben versucht, mit der Situation so konstruktiv umzugehen, wie es möglich war", sagt Professorin Babitsch.

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Unsicherheit ist große Herausforderung

Doch nicht alle haben die vergangenen Monate positiv erlebt. 34,7 Prozent der Befragten fühlten sich stark belastet, 24,7 Prozent sogar stark bedroht. Das seien vor allem Menschen, die selbst als Risikopatienten betroffen sind, sagt Babitsch. Aber auch Menschen, die mit Risikopatienten zusammenleben, fühlten sich oft bedroht. Auch die Unsicherheit sei für viele eine Herausforderung, so Babitsch.

Nähe zu Familienangehörigen fehlte

Zu den größten persönlichen Veränderungen zählten laut der Studie der Verlust der Arbeit, Kurzarbeit, aber auch die Einschränkung, nicht mehr shoppen oder in ein Restaurant gehen zu können. Zwei Drittel der Befragten fehlte der persönliche Kontakt zu den nächsten Familienangehörigen. 67,2 Prozent der Befragten sehnen sich laut der Studie danach, ihnen nahestehende Personen wieder in den Arm nehmen zu können.

 

Große Unterschiede bei sozialem Status

Auffällig sei, dass Menschen, die sich sozial schwächer einordnen, die Zeit auch weniger positiv einschätzen, so Babitsch. Die Zeit zum Entspannen zu nutzen, das sei für sie beispielsweise seltener möglich. Außerdem haben diese Menschen nur zu 58,9 Prozent ein hohes Wohlbefinden angegeben. Bei den Menschen, die sich zu einem hohen Sozialstatus zählen, waren das 91,0 Prozent.

"Um Schwächere in der Gesellschaft kümmern"

Dieser große Unterschied deute darauf hin, dass die Belastungen für Menschen mit einem niedrigerem Sozialstatus deutlich größer sei, so Professorin Babitsch. Um die Schwächeren in der Gesellschaft müsse sich daher stärker gekümmert werden, sagt Babitsch. Das sei es, was man aus den Ergebnissen lernen könne. Aber auch der positive Blick sei durchaus eine Lehre. "Wir kriegen so etwas hin, wir schaffen das und wir können auch Positive Dinge in uns aktivieren."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.07.2020 | 08:00 Uhr

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