Stand: 08.10.2018 22:22 Uhr

Moorbrand: Kohlenmonoxidwerte deutlich zu hoch

Während des Moorbrands auf einem Bundeswehrgelände bei Meppen sind in angrenzenden Orten Kohlenmonoxid-Grenzwerte erheblich überschritten worden. Das haben Gefahrgutexperten der Feuerwehr dem NDR bestätigt. Zuerst hatte die "Neue Osnabrücker Zeitung" darüber berichtet. In der Nacht vom 18. auf 19. September hat demnach der von der Bundeswehr beauftragte ABC-Messzug an mehreren Stellen überschrittene Grenzwerte registriert, punktuell um mehr als 100 Prozent. Ohne Konsequenz, obwohl es offenbar Empfehlungen der Feuerwehr gab. Behörden und Bundeswehr betonten am Montag dagegen erneut, dass keine Gesundheitsgefahr bestanden habe. Die Bundeswehr veröffentlichte zudem Protokolle von Luft- und Wassermessungen.

Trotz Empfehlung: Bundeswehr lehnt weitere Messung zunächst ab

Der höchste gemessene Wert betrug in Stavern 20 ppm (parts per million). Das Technische Hilfswerk (THW) hatte dort zu diesem Zeitpunkt ein Zeltlager mit rund 400 Plätzen für Helfer aufgeschlagen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die Kohlenmonoxidbelastung für Menschen ab 9 ppm über einen Zeitraum von acht Stunden gesundheitsgefährdend. Auch in Wohngebieten überstiegen die Messungen der "NOZ" zufolge den relevanten Schwellenwert von 9 ppm teilweise deutlich. Die Messungen führten laut der Zeitung aber nicht zu einer Evakuierung des Ortes, weil die Werte nicht über einen längeren Zeitraum von vier beziehungsweise acht Stunden erhoben wurden. Bei Kohlenmonoxid hängt die Gesundheitsgefährdung aber auch mit der Dauer der Belastung zusammen. Die Feuerwehr gibt laut der "NOZ" an, der Bundeswehr dringend eine solche fortlaufende Kontrolle empfohlen zu haben, die Einsatzleitung der Bundeswehr habe diese jedoch abgelehnt. So wurde in Stavern erst knapp zwei Tage später wieder gemessen.

Entwarnungen am Tag nach Messungen

Die Bundeswehr hatte nach den Messungen verneint, dass es für Anlieger und Einsatzkräfte eine gesundheitliche Gefährdung gab. Die zuständige Wehrtechnische Dienststelle für Waffen und Munition (WTD) schrieb am 20. September: "Die in den vergangenen Tagen bereits durchgeführten Luftmessungen werden heute fortgesetzt, die Überwachung wird engmaschig durchgeführt." Auch der Landkreis Emsland hatte am 19. September Entwarnung gegeben. Der Landrat hatte mitgeteilt, dass der Fachbereich "keine Gesundheitsgefährdung durch den Qualm" erkennen könne. Nach Informationen des NDR hat sich der Landkreis auf die Bundeswehr verlassen und die Lage ebenfalls als unbedenklich eingestuft, weil durch die Feuerwehr Leer Kohlenmonoxid als wichtiger Parameter in der Luft gemessen wurde. "Und der war unkritisch", sagte ein Landkreis-Sprecher dem NDR. Am 21. September rief der Landkreis Emsland den Katastrophenfall aus, auch mit Verweis auf mögliche Evakuierungen. Landrat Reinhard Winter erklärte damals, man wollte auf ein eventuelles Wiederaufflammen des Feuers vorbereitet sein.

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Feuerwehr kritisiert Bundeswehr und Landkreis

Die Feuerwehr kritisiert in der "NOZ", dass so spät mit den Messungen begonnen wurde, obwohl die Rauchwolke am 19. September bereits begann, abzuklingen. Da brannte das Moor auf dem Militärgelände schon zwei Wochen, ohne dass Luftwerte kontrolliert worden wären. Laut einer Mitteilung des Landkreises Emsland vom vergangenen Donnerstag hat sich aus den Messwerten des ABC-Zugs keine akute Gefahrensituation für die Bevölkerung ergeben. Gegenüber der "NOZ" kritisierten Einsatzkräfte diese Äußerungen, denn zumindest Schwangere, Kinder und Alte seien auch durch kürzere Schadstoffbelastungen gefährdet. Nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums hatte keine Überschreitung der Grenzwerte vorgelegen. Allerdings wartete das zuständige Fachreferat auch mehr als eine Woche auf Rückmeldung der Bundeswehr mit den Messdaten. Der Landkreis hatte bereits auf seiner Website Messwerte des ABC-Zuges zur Verfügung gestellt, allerdings erst mit Daten ab dem 21. September.

Landkreis und Bundeswehr: Es bestand keine Gefahr

Bundeswehr und Landkreis bleiben dabei, dass keine Gesundheitsgefahr für Anwohner und Einsatzkräfte bestand. "Richtig ist, dass die Weltgesundheitsorganisation einen Grenzwert von 9 ppm CO definiert hat", teilten Landesgesundheitsamt und Landkreis Emsland am Montag in einer gemeinsamen Stellungnahme mit. "Allerdings gilt dieser erst dann als problematisch, wenn er im Innenraum in einem Zeitraum von acht Stunden ein Leben lang überschritten wird." Eine isolierte Betrachtung der Werte sei "fehlerhaft". Die Bundeswehr teilte mit, sie habe die vom Umweltbundesamt herausgegebenen sogenannten Störfallbeurteilungswerte zugrunde gelegt. Der dort benannte niedrigste Grenzwert von 27 ppm sei bei keiner Messung überschritten worden: "Die gemessenen Werte stellten sich als unkritisch für die Einsatzkräfte dar, da sie sämtlich unter dem niedrigsten Störfallbeurteilungswert lagen." Die nachlassende Rauchentwicklung und Intensität des Brandes im Laufe des Abends hätten die Annahme zugelassen, dass keine höheren oder grenzwertüberschreitenden Messergebnisse zu erwarten waren. "Eine Gefährdung der Einsatzkräfte konnte und kann weiterhin ausgeschlossen werden", so die Bundeswehr.

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Hallo Niedersachsen | 07.10.2018 | 19:30 Uhr

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