Stand: 19.06.2019 19:05 Uhr

Modellprojekt: Niedersachsen will Imame ausbilden

Imame, die in deutschen Moscheen arbeiten, werden meist aus der Türkei geschickt. Damit verbunden ist die Frage: Wie unabhängig sind sie? Jetzt wagt Niedersachsen den Versuch, die ersten Imame hier in Deutschland auszubilden - und zwar in Osnabrück. Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) hat im Landtag für Herbst einen bundesweiten Modellversuch angekündigt.

Thümler: Imame sollten mit Kultur in Deutschland vertraut sein

Er sei bereits in Gesprächen mit dem Bundesinnenministerium und den Islamverbänden, so Thümler. Es sei im Sinne aller demokratischen Parteien, dass Imame in deutschen Moscheegemeinden arbeiteten, die mit der Kultur und dem Alltag in Deutschland vertraut seien. Aus seiner Sicht darf die Politik keine Zeit mehr verlieren.

Uni Osnabrück begrüßt die Pläne

Das Institut für Islamische Theologie der Uni Osnabrück begrüßt den Kurs des Landes zur Imamausbildung. Nach langem Warten gebe es jetzt endlich einen Vorschlag, um Imame in Deutschland auch praktisch auszubilden, sagte Professor Rauf Ceylan NDR 1 Niedersachsen. Mögliche Lehrinhalte könnten laut Ceylan Jugendarbeit, der Dialog mit anderen Religionen und Predigtlehre sein.

Videos
05:19
Kulturjournal

Die Zukunft der Imam-Ausbildung in Osnabrück

01.10.2018 22:45 Uhr
Kulturjournal

Ein berufsbegleitendes Programm an der Universität Osnabrück läuft aus. Wie kann es mit einer Ausbildung zum Imam in Deutschland weitergehen? Welche Möglichkeiten gibt es? Video (05:19 min)

Mehrheit im Landtag spricht sich für Modellprojekt aus

Die Mehrheit des Landtags sprach sich für den Kurs der Landesregierung aus. In der Landtagsdebatte forderte der FDP-Landes- und Fraktionsvorsitzende Stefan Birkner einen Zeitplan für das Modellprojekt. AfD-Vertreter Harm Rykena bezeichnete eine Imam-Ausbildung als einen "Mosaikstein auf dem Weg zur Islamisierung Deutschlands".

Weiterbildung für Imame wird weiter finanziert

Gleichzeitig hat der Landtag am Mittwoch beschlossen, die Imam-Weiterbildungskurse an der Universität Osnabrück weiterhin zu finanzieren. Grundlage war ein entsprechender Antrag der Grünen. Das Programm soll mit 1,4 Millionen Euro pro Jahr gefördert werden. Die zweisemestrige berufsbegleitende Fortbildung umfasst Extremismusprävention sowie rechtliche und kulturelle Strukturen in Deutschland. In den vergangenen acht Jahren nahmen nach Angaben der Grünen rund 150 Imame und Seelsorgerinnen daran teil. Wegen zu geringer Nachfrage war die Fortbildung im September 2018 allerdings eingestellt worden.

Weitere Informationen

Islamische Theologie: Weniger Studenten in Osnabrück

Die Zahl der Studenten im Fach islamische Theologie an der Universität Osnabrück ist erstmals gesunken. Ein Grund laut Institutsdirektor: Das Fach bildet nicht zum Imam aus. (30.12.2018) mehr

NDR Kultur

"Zwischen Rücktritt und Aufbruch – Der Islam in Niedersachsen"

NDR Kultur

Die Debatte um die Unabhängigkeit der Moscheeverbände - ein Thema auf der Deutschen Islam Konferenz. Auch in Niedersachsen wird derzeit darüber diskutiert. (30.11.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 19.06.2019 | 17:00 Uhr

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