Stand: 20.12.2018 12:06 Uhr

Missbrauch: Bischof Bode räumt Versäumnisse ein

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Bischof Bode sieht den Umgang mit den Missbrauchsfällen im Bistum Osnabrück kritisch.

Nach dem Bekanntwerden von diversen Missbrauchsfällen im Bistum Osnabrück hat Bischof Franz-Josef Bode Selbstkritik geübt. "Ich wünschte mir, wir wären damals aktiver geworden", sagte Bode im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. "Heute würden wir die Staatsanwaltschaft einschalten, oder sie würde von sich aus ermitteln, unabhängig davon, ob der Priester die Vorwürfe zugibt oder nicht." Aufgrund von Gerüchten hatte Bode den Priester 1997 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Dennoch war der Mann danach weiter als Gemeindehelfer aktiv. "Das ist ein Versäumnis, das hätte nicht passieren dürfen", so Bode heute.

Bode: "Das hätte nicht passieren dürfen"

Am vergangenen Sonnabend hatte das Bistum mitgeteilt, dass ein heute 85-jähriger Priester in den 80er- und 90er-Jahren drei Jugendliche aus der Gemeinde Merzen sexuell genötigt und missbraucht haben soll. Inzwischen haben sich weitere mutmaßliche Opfer gemeldet. Das Bistum hat laut der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Donnerstag Gerüchte bestätigt, wonach der Pfarrer sieben weitere Kinder sexuell missbraucht haben soll, neben Merzen auch in den Gemeinden Rhede, Twist und Dalum. Mit weiteren werde gerechnet, sagte ein Sprecher.

Weitere Fälle nicht auszuschließen

Weitere Fälle mit anderen Priestern im Bistum sind Bode nach eigenen Angaben nicht bekannt, ausschließen will er sie allerdings nicht. "Da kann man nicht sicher sein. Das ist so eine verborgene Angelegenheit, wo sich Menschen erst nach Jahren melden", sagte Bode. Es dürfe keinen Generalverdacht auf alle geben, aber Einzelfälle könne er nicht ausschließen. Für die betroffene Gemeinde kündigte der Bischof Unterstützung - zum Beispiel durch Gesprächsangebote - an.

Forderung nach unabhängiger Gerichtsbarkeit

Bode forderte im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen, dass die Unabhängigkeit derer, die Missbrauchsfälle in der Kirche beurteilen, größer wird. Ein gemeinsamer Strafgerichtshof, der die kirchlichen Fälle mitverhandelt, sei wünschenswert und müsse kommen.

Schwierigkeiten mit DNA-Aussage von Wilmer

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Nach Ansicht des Hildesheimer Bischofs Heiner Wilmer gehört Machtmissbrauch zur "DNA der Kirche". (Archivbild)

Die Aussage des Hildesheimer Bischofs Heiner Wilmer, dass Machtmissbrauch zur DNA der Kirche gehöre, teilt Bode trotz der Vorfälle allerdings nur bedingt. In einem System mit Schutzbefohlenen und Abhängigkeiten komme Machtmissbrauch zweifellos vor, sagte er. Aber deshalb könne man das nicht von vornherein als DNA - also den Lebensstoff der Kirche - bezeichnen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 19.12.2018 | 17:00 Uhr

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