Stand: 10.01.2019 19:40 Uhr

Linke zu Moorbrand: Risikobewertung war fahrlässig

Als die Wehrtechnische Dienststelle bei Meppen im Emsland im September Schießübungen geplant hat, wurde vorher das Risiko eines Brandes bewertet. Das Ergebnis ist bekannt: Wochenlang brannte das Moor. Nach Einschätzung der Linksfraktion im Bundestag ist das wenig überraschend, da die Risikobewertung der Bundeswehr "fahrlässig" gewesen sei.

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Nur Waldbrandgefahrenindex herangezogen

Die Abgeordneten der Fraktion, darunter Kathrin Vogler und Tobias Pflüger, hatten Ende Oktober eine Kleine Anfrage gestellt. Kurz vor Weihnachten habe die Bundesregierung geantwortet, teilte Voglers Büro am Donnerstag mit. Die Beantwortung der 47 Fragen habe man nun ausgewertet - und komme zu dem Schluss, dass die Gefahr eines Feuers unzureichend geprüft wurde. Denn offenbar sei lediglich der Waldbrandgefahrenindex (WBI) zur Risikobewertung zugrunde gelegt worden.

Graslandgefahrenindex ignoriert?

Normalerweise würden sowohl der Waldbrand- als auch der Graslandgefahrenindex (GLFI) herangezogen, heißt es Voglers Büro zufolge in der Antwort der Bundesregierung. Aber: "In der Antwort auf unsere Frage 14 zu den Indikatoren für die konkrete Risikoanalyse am 3.9. lautete die Antwort, man habe zur Bewertung den WBI des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für den 3. September herangezogen, der 'Stufe 2 von 5 (geringe Gefahr, zweitniedrigste Stufe)' ausgewiesen hätte." Der Graslandgefahrenindex werde nicht als Quelle genannt.

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Braucht es andere Indikatoren zur Risikobewertung?

Angesichts der Dürre im Sommer sei Vogler und Pflüger diese Grundlage für die Risikobewertung "bedenklich dünn" erschienen. Sie hätten daher den Deutschen Wetterdienst kontaktiert und unter anderem gefragt, ob der WBI zur Einschätzung einer Brandgefahr im Moor überhaupt tauge. Der DWD habe wie folgt geantwortet: "Genau genommen eignet sich keiner unserer Indizes für die Brandgefahreneinschätzung von Mooren, da dort das Verhalten der Glut innerhalb des Bodens ein von der Oberfläche entkoppeltes Eigenleben aufweist und hierfür bisher kein Index entwickelt wurde. Für Freiflächen sollte man eher den GLFI nehmen, der die Zündgefahr an der Grasoberfläche beschreibt. Der WBI ist hier am wenigsten geeignet."

Das Fazit der beiden Abgeordneten: Die Wehrtechnische Dienststelle habe fahrlässig gehandelt, weil sie den GLFI außer Acht ließ. Zudem müsse "die Validität der Indikatoren für die Brandrisiko-Bewertung bezweifelt werden".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 11.01.2019 | 06:30 Uhr

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