Das Bild zeigt ein Bild aus dem Archiv der Gedenkstätte in Esterwegen. © NDR Foto: Hedwig Ahrens

KZ-Gedenkstätte Esterwegen erhält Archiv von Journalisten

Stand: 04.12.2021 08:00 Uhr

Die Gedenkstätte Esterwegen, die an die Emslandlager der Nationalsozialisten erinnert, erhält das große Archiv zweier Journalisten als Dauerleihgabe. Diese Woche wurde der Vertrag dazu unterschrieben.

In den 1960er-Jahren waren weder die genaue Zahl noch die Standorte der sogenannten Emslandlager bekannt. Hermann Vinke und Gerhard Kromschröder gehören zu den ersten Journalisten, die sich intensiv damit beschäftigten. Sie sammelten Dokumente, Fotos und befragten Zeitzeugen. Ihr Recherchematerial wird jetzt in der Gedenkstätte Esterwegen digitalisiert und für Besucher zugänglich gemacht. Inzwischen gilt ihr Werk als Pionierarbeit. Doch anfangs machten sie sich durch ihre Berichte unbeliebt und galten im Emsland als "Nestbeschmutzer". Sie wurden vom Staatsschutz beobachtet - und verloren sogar ihre Arbeit bei der Lokalzeitung.

Schreiben gegen das Vergessen

Das Bild zeigt Journalist Hermann Vinke im Archiv der Gedenkstätte Esterwegen. © NDR Foto: Hedwig Ahrens
Journalist Hermann Vinke hat sich intensiv mit der Geschichte der Emslandager beschäftigt.

Schreiben gegen das Vergessen - so bezeichnen die beiden Journalisten ihre damalige Mission. Doch die Widerstände waren groß: Die ersten Reaktionen auf ihre Recherchen waren Ablehnung und Verweigerung: "Wir mussten also bei Null anfangen. Man sagte uns, es sei eigentlich nichts passiert", so die Journalisten. Doch für die damals Anfang 20-Jährigen war die Mauer des Schweigens kein Hindernis - im Gegenteil, sagt Vinke: "Mich hat einfach die Ablehnung der Politik, wie auch zum Teil aus der katholischen Kirche - diese massive Verweigerung von Informationen, von Bereitschaft, darüber überhaupt darüber zu reden - also das hat mich angespornt." Später arbeitete Vinke unter anderem als Korrespondent für den NDR, Gerhard Kromschröder wurde als Journalist beim Magazin "Stern" bekannt.

"Hölle im Moor"

Das Bild zeigt den Journalisten Gerhard Kromschröder im Archiv der Gedenkstätte Esterwegen. © NDR Foto: Hedwig Ahrens
Gerhard Kromschröder wurde als Journalist beim Magazin "Stern" bekannt.

Das erste Doppellager des Nazi-Regimes in Börgermoor und Esterwegen entstand zwischen Juni und August 1933. Gefangene nannten das Konzentrationslager "Hölle im Moor". In dem Komplex litten überwiegend politische Häftlinge aus Deutschland, später kamen auch Widerstandskämpfer aus verschiedenen europäischen Ländern hinzu. Zu den prominentesten politischen Gefangenen gehörten Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky (1889-1938), der SPD-Fraktionsvorsitzende im preußischen Landtag, Ernst Heilmann, und der Reichstagsabgeordnete Julius Leber (SPD). Die zentrale Gedenkstätte in Esterwegen erinnert an die Häftlinge des Konzentrationslagers und die Gefangenen der 14 weiteren Emslandlager.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.12.2021 | 15:00 Uhr

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