Stand: 14.08.2017 13:43 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Bei Berentzen wird wieder gebrannt

von Susanne Schäfer
Ein Destille für die Kornproduktion bei Berentzen. Meister-Destillateur Andreas Büdenbender zeigt darauf.  Foto: Susanne Schäfer
Durch diese Kupferrohre fließt der Alkohol. Für den passenden Geschmack sorgt der neue Meister-Destillateur Andreas Büdenbender.

Sie glänzt, aber hat schon erste Gebrauchsspuren: Die neue Destille auf dem Berentzen-Gelände in Haselünne. Wie man mit ihr Korn, Whisky und Obstler brennt, weiß Andreas Büdenbender. Er ist der neue Meister-Destillateur bei Berentzen. Und mit ihm will der Getränkehersteller ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte aufschlagen. Denn dass einer der ältesten Spirituosenhersteller Deutschlands auch selber Korn brennt, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Resonanz sei gut, nicht nur bei Berentzen selbst. "Auch im Fußballverein - ich spiele bei den Alt-Herren in Haselünne - sind viele sehr neugierig auf den neuen Korn." Rückblick: Den Erfolgskurs startete Berentzen 1976 mit der Idee, Korn und Apfelsaft zu mischen. Der Apfelkorn machte die Haselünner übers Emsland hinaus bekannt.

Wichtig fürs Gefühl

Ein neues Mehrfamilienhaus und ein Baukran auf dem früheren Grundstück der alten Berentzen-Destille  Foto: Susanne Schäfer
Die Zeiten ändern sich: Wo früher die Berentzen-Destille stand, entsteht gerade ein neues Wohnhaus. Geblieben ist der Wasserturm.

Aber die Geschmäcker änderten sich. Andere Mixgetränke drängten auf den Markt und machten es dem Apfelkorn schwer. In der Unternehmenskrise kamen vor knapp zehn Jahren dann die Abrissbagger. Die alte Brennerei wurde dem Erdboden gleich gemacht. Auf dem Grundstück entsteht jetzt ein neues Wohnhaus. Seit 2008 hat Berentzen keinen Alkohol mehr in Haselünne gebrannt. Die eigentliche Spirituosenproduktion ist in Minden. Aber auch dort wird der Alkohol nur zugekauft. Deshalb ist die neue Hofdestille fürs Gefühl mindestens genauso wichtig wie fürs Geschäft, sagt der zweite neue Mann bei Berentzen, Vorstandssprecher Oliver Schwegmann: "Für die Identität der Mitarbeiter und des Unternehmens als eines der ältesten Brennereien Deutschlands ist es unglaublich wichtig, an diesem Standort wieder zu brennen und das Handwerk wieder selbst in die Hand zu nehmen."

Trend zu Handgemachten

Mehrere Flaschen Doppelkorn in einem Regal  Foto: Susanne Schäfer
Der neue Doppelkorn ist das Werk von Andreas Büdenbender.

Gerste und Roggen einkaufen, mahlen, mit Wasser und Hefe mischen und aus der Maische dann Alkohol destillieren - all das macht Andreas Büdenbender. Den Korn füllt er dann in Flaschen ab, unterschreibt auf dem Etikett. Und genau damit will Berentzen auf den Trend hin zu mehr Persönlichem und Handgemachtem ansprechen. Die ersten Flaschen sind verschickt und stehen in den Läden. Zahlen gibt es noch nicht, denn der Verkauf ist erst Anfang August gestartet. Deshalb spielt der neue Korn im heute veröffentlichten Halbjahresbericht noch keine Rolle.

Mit Saft und Limonade auf Wachstumskurs

Vorstandssprecher Oliver Schwegmann schaut in die Kamera  Foto: Susanne Schäfer
Der neue Vorstandssprecher: Oliver Schwegmann (43) kennt die Region. Gebürtig kommt er aus Löningen. Statt um Schminke und Shampoo bei L'Oréal kümmert er sich bei Berentzen jetzt um Korn und Limo.

Limo und Saft dafür umso mehr. Bei dem alkoholfreiem Getränk "Mio Mio" steigert das Unternehmen den Verkauf um fast 70 Prozent. Auch das noch recht junge Geschäftsfeld Orangensaftpressen "Citrocasa" läuft gut, litt im in diesem Jahr aber unter Lieferengpässen bei Orangen. Doch trotz Limo und Saft ist der Korn nach wie vor Kerngeschäft von Berentzen. Von den rund 85 Millionen Euro Umsatz erzielte das Unternehmen fast 50 Millionen mit Schnaps. Bei den fruchtigen Spirtituosen ist Berentzen Marktführer in Deutschland. Das gelingt, weil Berentzen die Produktpalette ständig erweitert und Korn längst nicht mehr nur mit Apfelsaft mischt. Aktuell zum Beispiel als Aperitif-Getränk mit Cranberry. Um neue Trends zu erkennen, sind die Berentzen-Mitarbeiter auf Schüzenfesten und in Bars unterwegs. Denn das Umfeld ist schwierig: Die Deutschen kaufen immer weniger Schnaps. Die Branche hat deutschlandweit mit einem Absatzrückgang von 1,7 Prozent zu kämpfen. Die Berentzen-Gruppe aber wächst "moderat, aber zufriedenstellend" schreiben Oliver Schwegmann und sein Vorstandskollege Ralf Brühöfner an die Aktionäre, von Deutschlands einzigem börsennotiertem Spirituosenhersteller.  

"Wir sind in einem sehr umkämpften Markt aktiv, der ständig von einem erfordert sich neu zu erfinden."

Die beiden blicken auch deshalb zuversichtlich nach vorne, weil es finanziell besser läuft. Denn von der 2012 ausgegebenen teuren Unternehmensanleihe können sie sich jetzt befreien. Stattdessen bekommt Berentzen einen deutlich günstigeren Bankkredit. Und auch bei den Aktionären hat sich einiges geändert. In der Krise wurde das einstige Familienunternehmen von Aurelius übernommen. Der Investor half den Konzern zu sanieren und hat kürzlich seine Anteile verkauft. "Mit Aurelius haben wir das Unternehmen zukunftsfähig und stabil gemacht. Dass dieses Kapitel jetzt geschlossen wird und wir robust in die Zukunft schauen, freut uns", sagt Schwegmann.

Weitere Informationen
Reklame der 20er-Jahre © NDR/Berentzen

Eine Schnapsidee macht Berentzen berühmt

Die Idee, Weizenkorn mit Apfelsaft zu mischen, begründet 1976 den Erfolg der Schnapsbrennerei Berentzen aus Haselünne. Nach Jahren der Krise wird nun auch wieder im Emsland gebrannt. mehr

 

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 15.08.2017 | 17:00 Uhr

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