Stand: 16.08.2018 12:35 Uhr

Affront? Enercon lässt Minister Altmaier sitzen

Im Streit um den drohenden Jobabbau rund um den Windkraftanlagen-Hersteller Enercon brüskiert die Spitze des Auricher Konzerns die Politik. Am Donnerstag blieb die Enercon-Geschäftsführung einem Treffen mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Emden fern. Dies bestätigten Teilnehmer dem NDR. Altmaier sei darüber nicht glücklich gewesen, sagte Thomas Gelder von der IG Metall. Bereits am Mittwoch war die Enercon-Spitze zu einem Krisentreffen in Hannover mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU), der Gewerkschaft und Vertretern des Betriebsrates nicht erschienen.

Peter Altmaier, CDU

Enercon-Chefs bleiben Treffen mit Altmaier fern

Hallo Niedersachsen -

Bundeswirtschaftminister Peter Altmaier hat Emden besucht, um über die Lage der Windkraftbranche zu sprechen. Die Enercon-Geschäftsleitung schlug die Einladung aus.

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Enercon hält sich für nicht zuständig

Mehr als 800 Stellen bei Zulieferunternehmen, die exklusiv für den Windkraftanlagen-Hersteller Enercon produzieren, sind in Gefahr. Der Auricher Konzern, der in den 1980er-Jahren von dem milliardenschweren Unternehmer Aloys Wobben gegründet wurde, fühlt sich für sie allerdings nicht zuständig. Entsprechend begründete der Konzern auch die erneute Nichtteilnahme, wie ein Enercon-Sprecher dem NDR schriftlich mitteilte.

Lies: "Form der Verweigerungshaltung" hat Grenze erreicht

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Krisentreffen zu Enercon - ohne Enercon-Chefs

Die Enercon-Chefetage ist nicht zum Gespräch mit Wirtschaftsminister Althusmann über Job-Streichungen erschienen. 150 Mitarbeiter kamen - obwohl Vorgesetzte offenbar mit Kündigung drohten. mehr

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD), der auch an dem Treffen in Emden teilnahm, kritisierte das erneute Wegbleiben der Enercon-Spitze: "Unglücklicher kann ein Unternehmen nicht mehr reagieren", sagte Lies dem NDR. Diese "Form der Verweigerungshaltung" habe eine Grenze erreicht, mahnte er, betonte aber, dass man die Tür weiter offen halten müsse. Lies verwies auf Unterstützung durch die Politik, etwa in Form des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. "Wenn die Politik dann sagt, 'Lasst uns miteinander reden', hat die Politik auch den Anspruch, dass die Unternehmen kommen", so der SPD-Politiker.

"Einfach unverschämt"

Deutliche Kritik äußerte auch die Gewerkschaft. Als "einfach unverschämt" bezeichnete IG Metall-Bezirkschef Meinhard Geiken das erneute Wegbleiben der Enercon-Spitze. Thomas Gelder von IG Metall Leer-Papenburg sagte, er hätte sich das nicht vorstellen können, dass ein solches Unternehmen innerhalb von zwei Tagen sowohl Landesminister als auch Bundesminister einfach stehen lasse und Einladungen ausschlage.

Althusmann: "Ausgesprochen schwieriges" Zeichen

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Enercon-Mitarbeiter treffen Althusmann

15.08.2018 19:30 Uhr
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Beschäftigte des Windkraftherstellers Enercon haben mit Wirtschaftsminister Althusmann über den geplanten Stellenabbau gesprochen. Die Konzernleitung fehlte bei dem Treffen. Video (04:35 min)

Am Mittwoch hatte Niedersachsens Wirtschaftsminister Althusmann zu einem ersten Krisentreffen in Hannover eingeladen. Aus der Enercon-Chefetage war allerdings niemand dabei, was Althusmann kritisierte. Die Geschäftsführung setze mit ihrer Abwesenheit ein "ausgesprochen schwieriges" Zeichen, so Althusmann. "Ich halte es nicht für ein gutes und richtiges Signal im Sinne einer guten sozialpartnerschaftlichen Unternehmensleitung."

Altmaier kündigt Unterstützung an

Bei der Suche nach Lösungen forderte Althusmann Unterstützung durch die Bundesregierung. "Wir brauchen den Bund an dieser Stelle an Bord", so der CDU-Politiker am Mittwoch. Er habe sich daher an Bundeswirtschaftsminister Altmaier gewandt. Bei dem Treffen am Donnerstag in Emden kündigte Altmaier seine Unterstützung für die Enercon-Mitarbeiter an. Er wolle sich dafür einsetzen, dass alle politischen Akteure an einem Strang ziehen und neue Ausschreibungen von Windparks schnell auf den Weg gebracht werden, so Altmaier. Eine kurzfristige Hilfe für die Enercon-Mitarbeiter ist dies aber nicht: Die bereits im Koalitionsvertrag festgehaltenen Maßnahmen, wie die Ausschreibung von neuen Windparks, greifen erst ab dem Jahr 2019 - für die jetzt vom Jobverlust bedrohten Enercon-Mitarbeiter könnte das zu spät sein.

Enercon weist Verantwortung für Zulieferer von sich

Schon in der vergangenen Woche hatte ein Enercon-Sprecher direkten Gesprächen mit Betriebsräten und Gewerkschaft eine Absage erteilt: Für Zulieferer sei Enercon nicht der Arbeitgeber und daher nicht zuständig. Die Antwort der Betriebsräte: Die betroffenen Betriebe in Emden, Aurich, Westerstede und Haren arbeiteten ausschließlich für Enercon und gehörten zum Konzern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.08.2018 | 12:00 Uhr

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