Eine Frau hält sich vor Schmerzen den Bauch. © picture alliance/Zoonar/schanz

Diagnose in der Notaufnahme: Schwangerschaft statt Corona

Stand: 15.07.2022 15:54 Uhr

Immer mal wieder gibt es Frauen, die nicht wissen, dass sie schwanger sind und mit heftigen Magenkrämpfen in die Notaufnahme kommen. Seit Corona häufen sich am Klinikum Osnabrück diese Fälle.

Es sind Beschwerden wie Magenkrämpfe, anhaltende Übelkeit, Erbrechen und ein ausgebliebener Monatszyklus - eigentlich typische Anzeichen für eine Schwangerschaft. In die Notaufnahme des Klinikums Osnabrück kommen aber inzwischen vermehrt Frauen, die bei den Symptomen nicht an ein Baby denken, sondern an Corona. Im vergangenen halben Jahr sei bei Frauen mit diesen Beschwerden einmal monatlich und jüngst gleich zweimal an einem Tag in der Notaufnahme eine unerkannte Schwangerschaft festgestellt worden, sagte Mathias Denter, der seit 2008 das Notaufnahmezentrum leitet.

Ausbleibender Zyklus in erster Linie Zeichen für Schwangerschaft

Dr. Mathias Denter, Leiter des Notaufnahmezentrums des Klinikums Osnabrück © Klinikum Osnabrück
Mathias Denter hat in der Notaufnahme am Klinikum Osnabrück immer mehr Frauen, die Beschwerde-Symptome auf Corona statt auf eine Schwangerschaft zurückführen.

Fast alle Frauen hätten ihre Beschwerden entweder auf eine aktuelle oder vorausgegangene Corona-Infektion oder auf die Corona-Impfung zurückgeführt, sagte Denter. Vielfach seien es Frauen gewesen, die mitten im Leben stünden. "So etwas gab es früher nicht, schon gar nicht so gehäuft", so der Arzt. Er ist sich sicher, dass vor der Pandemie Frauen solche Beschwerden anders gedeutet hätten. Nach einer Erkrankung, einer Infektionen oder in seltenen Fälle auch nach einer Impfung könne sich der Monatszyklus zwar verschieben oder gar ausbleiben. "Aber es sind und bleiben eben auch die ganz natürlichen Anzeichen für eine Schwangerschaft", sagte Denter.

Kein landesweites Phänomen

Der Mediziner hält es zwar für nachvollziehbar und auch richtig, dass Frauen einen möglichen Zusammenhang mit dem Coronavirus hinterfragen. Er rät ihnen aber, sich nicht verunsichern zu lassen und bei eindeutigen Anzeichen für eine Schwangerschaft erst einmal an das Naheliegende zu denken. So oft wie in der Osnabrücker Notaufnahme kommt das andernorts aber offenbar nicht vor. Von einem ähnlichen Phänomen habe er aus anderen Kliniken bislang nichts gehört, sagte ein Sprecher der niedersächsischen Krankenhausgesellschaft auf Anfrage des NDR in Niedersachsen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 15.07.2022 | 13:30 Uhr

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