Stand: 13.02.2019 17:02 Uhr

Brennende Windräder: Reichen Kontrollen aus?

Mehrfach haben in Niedersachsen in den vergangenen Monaten Windkraftanlagen gebrannt. Zuletzt in Syke (Landkreis Diepholz): Dort stand am Dienstag ein rund 100 Meter hohes Windrad in Flammen. Vor etwa einem Monat brannte ein Windrad im Landkreis Leer, im November 2018 eines im Landkreis Wittmund, im Oktober ein Windrad im Emsland. Im Landkreis Uelzen stürzte vor wenigen Tagen der mehr als 30 Meter lange Flügel eines Windrads zu Boden. Wie sicher sind Windkraftanlagen? Werden sie oft genug unabhängig kontrolliert? Darüber gehen die Meinungen auseinander.

Ein brennendes Windrad

Brand in Syke: Wie gefährlich sind Windräder?

Hallo Niedersachsen -

In Syke im Landkreis Diepholz ist ein Windrad in Brand geraten. Als Ursache wird ein technischer Defekt vermutet. Besteht eine grundsätzliche Gefahr durch alte Windräder?

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TÜV-Verband will strengere Vorgaben

Der TÜV-Verband fordert schon seit Längerem eine häufigere Kontrolle von Windkraftanlagen. Bislang gilt: Nach dem Jahr 2004 errichtete Anlagen müssen alle zwei Jahre überprüft werden. Wenn die Betreiber die Anlage regelmäßig warten, können sie diesen Zeitraum auf vier Jahre verlängern - laut TÜV-Verband ein zu langer Zeitraum. "In der Praxis führt das dazu, dass die Sicherheit der neueren Windräder nur alle vier Jahre von unabhängiger Seite überprüft wird", sagte Verbandschef Joachim Bühler im Oktober. Auch gebe es keine Vorgaben zur Kompetenz und Unabhängigkeit der Sachverständigen.

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TÜV warnt: Irgendwann gibt es Verletzte

Ältere Anlagen, die vor 2004 gebaut wurden, werden nach einer Richtlinie aus dem Jahr 1993 geprüft - diese sehe keine wiederkehrenden Kontrollen vor, so der TÜV-Verband. "Für etwa die Hälfte aller Windräder in Deutschland müssen die Betreiber keine Sicherheitsprüfungen nach einheitlichen Kriterien von unabhängigen Stellen vornehmen lassen", sagte Bühler. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis bei Windrad-Havarien Menschen zu Schaden kommen, denn die Anlagen würden immer näher an Straßen und Siedlungen rücken.

Lies: Betreiber kontrollieren aus eigenem Interesse

Olaf Lies (SPD) hält diese Gefahr nach eigenen Angaben für nicht gegeben. Niedersachsens Energieminister weist im Gespräch mit dem NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen darauf hin, dass die Betreiber "ein Höchstmaß an Interesse" an der Funktionsfähigkeit und Sicherheit ihrer Anlagen hätten. Der Betreiber "lebt ja davon, dass er Energie einspeist und diese vergütet wird", so Lies.

Windkraftanlagen "definitiv kein Sicherheitsproblem"

Ältere Windkraftanlagen als "tickende Zeitbomben" zu bezeichnen, wie es der TÜV im vergangenen Jahr tat, ist laut Lies "absolut übertrieben". Es gebe eine große Zahl älterer Windkraftanlagen. "Der Blick auf die letzten Jahre zeigt, wie wenige Einzelfälle es sind, bei denen es zu einem Unfall oder technischen Defekt kommt. Das zeigt, wie sicher diese Anlagen sind", so Lies. Die Vorgaben für die Wartung von Windkraftanlagen seien ausreichend. Eine solche Anlage sei defintitiv kein Sicherheitsproblem, auch eine ältere nicht.

Bundesregierung lehnt strengere Vorgaben ab

Das gleiche Signal hatte die Bundesregierung bereits im Sommer gesendet. Einen verpflichtenden TÜV für die Anlagen lehnte sie ab. "Der Bundesregierung liegen keine Informationen vor, nach denen die aktuellen spezifischen Regelungen für die Genehmigungen beziehungsweise der wiederkehrenden Prüfungen nicht ausreichend sind", hieß es als Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion. Auch der Bundesverband WindEnergie (BWE) hält die gängige Praxis für ausreichend. Die Prüfungen würden von hochqualifizierten unabhängigen Sachverständigen durchgeführt. "Die Konzentration der Prüfungen auf einzelne Organisationen würde das Sicherheitsniveau nicht erhöhen", sagte Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des BWE.

Windenergieforscher: Brände sind seltene Einzelfälle

Bei Windrad-Bränden handele es sich um einzelne Fälle, betonte auch Stephan Barth, Geschäftsführer des Zentrums für Windenergieforschung in Oldenburg, im Gespräch mit Hallo Niedersachsen. "Wir haben ungefähr 30.000 Anlagen in Deutschland stehen und es kommt vielleicht zu zwei bis vier Bränden im Jahr", sagte Barth. Zum Vergleich: Es gebe rund 40.000 Pkw-Brände im Jahr - auch das seien komplexe Maschinen, in denen sogar Menschen säßen.

Zahl der Windrad-Brände in Niedersachsen

Nach Angaben des Energieministeriums haben zwischen Januar 2015 und Oktober 2018 in Niedersachsen zehn Windenergieanlagen gebrannt. Das teilte das Ministerium im Namen der Landesregierung im November 2018 auf eine Kleine Anfrage aus der AfD-Fraktion mit. Folgende Brände werden aufgelistet:

  • 11. Januar 2015 Aurich
  • 25. Februar 2015 Buendorf (Landkreis Lüneburg)
  • 19. November 2015 Böckelse, Samtgemeinde Meinersen (Landkreis Gifhorn)
  • 27. Dezember 2015 Laar (Landkreis Grafschaft Bentheim)
  • 4. April 2016 Oederquart (Landkreis Stade)
  • 7. Juli 2016 Renkenberge (Landkreis Emsland)
  • 5. August 2016 Damtgemeinde Schwaförden (Landkreis Diepholz)
  • 29. Oktober 2017 Westerholt, Samtgemeinde Holtriem (Landkreis Wittmund
  • 30. August 2018 Haren (Landkreis Emsland)
  • 12. Oktober 2018 Rhede (Emsland)

Hinzu kommen die oben genannten Vorfälle seit November 2018. Die windenergiekritische Initiative Vernunftkraft hat zudem seit 2016 folgende Zwischenfälle gezählt:

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 13.02.2019 | 19:30 Uhr

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