Stand: 15.08.2018 16:38 Uhr

Angeeckt: Journalistikstudent muss China verlassen

von Sabine Schaper

"Am eigenen Leib" habe er erfahren wollen, was es bedeute, in China Journalismus zu studieren, erzählt David Missal, 24 Jahre alt, zu Hause in Osnabrück. Dass dies nach nicht mal einem Jahr Studium an der Tsinghua Universität in Peking mit seiner Ausweisung enden würde, hatte er nicht erwartet. Eine kritische Recherche hat ihn nun sein China-Visum gekostet.

David Missal © NDR

Angeeckt: Journalistikstudent muss China verlassen

ZAPP -

David Missal ging nach China, um dort seinen Master in Journalismus zu machen. Eine kritische Recherche über einen Menschenrechtsanwalt hat ihn nun sein China-Visum gekostet.

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Schlaflose Nächte

Es geht um den Film "Lawyer Lin", den Missal im Rahmen einer Seminararbeit produziert hat: Einen knapp zehnminütigen Film über einen chinesischen Menschenrechtsanwalt, der sich mit seiner Arbeit für Dissidenten auch selbst in Gefahr bringt.

Über mehrere Tage begleitete er Lin mit der Kamera. "Ich erinnere mich an eine Situation ganz besonders", erzählt David Missal von den Dreharbeiten. "Ich habe zusammen mit ihm in einem Hotelzimmer geschlafen und nachts um vier ging ich auf die Toilette. Ich habe das Licht ausgelassen, weil ich dachte, ich will ihn nicht aufwecken und plötzlich kam aus dem Dunkel die Stimme, die sagte: 'Warum machst du das Licht denn nicht an?' Und in dem Moment wurde mir das klar, was das mit diesen Leuten macht, nämlich: dass sie nicht schlafen können, weil es sie so beschäftigt."

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China und die Pressefreiheit: Platz 176 von 180

Der  Film zeigt, was man in China sonst kaum zu sehen bekommt: Ein der chinesischen Regierung unliebsames Thema. Allein im Juli und August machte der Umgang Chinas mit vier Dissidenten - Liu Xia, Ai Weiwei, Sun Wenguang und Qin Yongmin - auch hier Schlagzeilen. Gleichzeitig ist die Pressefreiheit so eingeschränkt wie in kaum einem anderen Land. Reporter ohne Grenzen verortet China aktuell auf Rang 176 von 180.

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Der Film "Lawyer Lin" dreht sich um den chinesischen Menschenrechtsanwalt Lin Qilei.

Das bekam Missal zu spüren. Bereits bei den Dreharbeiten wurde er festgenommen und über drei Stunden festgehalten. Monate später wurde dann die jährlich übliche Verlängerung seines Visums abgelehnt. Stattdessen hatte er lediglich zehn Tage, um China zu verlassen. "Ich war erst einmal sprachlos", erinnert sich Missal. "Und habe dann noch nachgefragt, was für Aktivitäten ich denn nachgegangen sei, die jetzt nicht dem Studentenvisum entsprechen. Und dann sagte man mir immer nur: 'Das wissen Sie schon selbst'."

"Unglücklich", aber kein ausdrückliches Verbot

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Die Tsinghua University in Peking zählt zu den renommiertesten Unis in China. Auch viele ausländische Studenten besuchen dort Seminare.

Dabei hatte ihm sein amerikanischer Seminarleiter grünes Licht gegeben. Später ließ ihn die Universität zwar wissen, man sei über die Arbeit "unglücklich", ein ausdrückliches Verbot habe es aber nicht gegeben. Das Journalismusstudium vor Ort varriere sehr stark, je nach Seminarwahl: "Es gibt auch einen Kurs unter dem Titel 'Marxistische Journalismus-Theorien' und da wird genau das gelehrt was die Kommunistische Partei Chinas hören will, nämlich dass Journalisten der Partei zu gehorchen haben, dass westliche Medien nicht objektiv sind, schlecht sind, also alles was der Kommunistischen Partei hilft."

Er selbst hatte nach dem Bachelor in Chinastudien in Berlin seine Kenntnisse über Land und Sprache vertiefen wollen und war deshalb für seinen Master nach Peking gegangen. Wie, wann und wo er sein Studium nun abschließen wird, das weiß Missal derzeit noch nicht. Möglicherweise in Taiwan oder in Hongkong, vielleicht aber auch in Berlin. "Aber erst mal bin ich in Osnabrück und schlafe meinen Jetlag aus.

Entzogene Aufenthaltsgenehmigung auch mit Journalistenvisum?

Experten bezweifeln, dass David Missal seine Aufenthaltsgenehmigung auch verloren hätte, hätte er statt des Studentenvisums ein Journalistenvisum besessen. Ebenfalls fraglich ist, ob die Veröffentlichung des Films im Netz Ausschlag auf die chinesische Entscheidung hatte und ob die Universität nicht hätte eingreifen sollen, hieß es im Gespräch mit ZAPP.

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ZAPP | 15.08.2018 | 23:20 Uhr

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