Stand: 28.09.2017 17:27 Uhr

Wollepark: Identitätsschwindel bei Eigentümer?

von Christina Gerlach
Noch läuft ein Tauziehen um die Blöcke 11 und 12 im Delmenhorster Wollepark: Die Stadt will die Wohnungen erwerben und abreißen, die Eigentümer wollen jedoch nicht verkaufen.

Über die Zukunft des Wolleparks in Delmenhorst gab es am Donnerstag Morgen ein Gespräch zwischen Vertretern der Stadt und Matthias Volkmer, dem Verwalter der Eigentümergemeinschaft, der 80 Wohnungen in den beiden Problem-Hochhäusern gehören. Seit Monaten haben die Stadtwerke dort Wasser und Gas abgestellt, weil rund 110.000 Euro Schulden immer noch nicht beglichen sind. Das Gespräch sei konstruktiv verlaufen, sagen beide Seiten. Bislang haben sie auch ein gemeinsames Ziel: Die verbliebenen  Mieter sollen ausziehen.

Eigentümer wollen nicht an Stadt verkaufen

Aber schon bei der Frage, wer die Kosten für die Brandwache übernimmt, die seit dem Wasserstopp Anfang Juli eingerichtet wurde, ist man sich uneinig. Rund 10.000 Euro pro Woche streckt die Stadt dafür vor. Und völlig unterschiedlich sehen beide Seiten die Zukunft der Wohnblocks:  Die Stadt will den Vermietern die Wohnungen abkaufen, um die desolaten Blocks abzureißen. Die Eigentümer wehren sich. Einer hat sich nun an den NDR gewandt. Er bezeichnet Stadt und Stadtwerke wörtlich als mafiös und korrupt, gibt dafür aber keine Begründung. Der Mann, der sich als Syrer ausgibt, hat offenbar mehrere Identitäten. Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren bei der Bremer Polizei. Milad H., so sein derzeitiger Name, ist Eigentümer von sieben Wohnungen im Wollepark, seinem Bruder gehören zehn. So steht es zumindest in einer Liste, die dem NDR vorliegt. Beide sind mit Mehmet E. befreundet, der ist Eigentümer von insgesamt 15 Wohnungen. Mehmet E.s Bruder, Sultan E., war bis vor kurzem Verwalter der Eigentümergemeinschaft. Milad H. versichert dem NDR, dass er seine  Wohnungen niemals an die Stadt Delmenhorst verkaufen wird, nicht mal, wenn ihm 100.000 Euro für eine geboten würden.

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Dubiose Firma

Milad H. ist in Bremen gemeldet, er hieß allerdings nicht immer so. Unter dem Namen Mohamad A. war er laut Handelsregistereintrag im Jahr 2008 Geschäftsführer der Im- und Exportfirma RomaRose International GmbH in Bremen-Mitte. RomaRose hat inzwischen den Geschäftszweck erweitert, handelt jetzt eigenen Angaben zufolge unter anderem mit Lebensmitteln, Käse und Kosmetika. Die Firma ist bereits mehrfach umgezogen, mittlerweile findet man sie im Bremer Stadtteil Kattenturm. Unter derselben Adresse ist auch Milad H. gemeldet.

Identitäten wurden geändert

Gegen Milad H. ermittelt die Polizei wegen einer ausländerrechtlichen Straftat. Sowohl Milad H. als auch sein Bruder haben ihre Identität geändert. Das Migrationsamt Bremen hat die neuen Angaben offenbar anstandslos akzeptiert und die Personalpapiere umgeschrieben. So änderte  Mohamad A. seinen Namen in Milad H., das Geburtsdatum von Januar 1975 auf Mai 1977 und gibt jetzt Aleppo in  Syrien als Geburtsort an. Die entsprechende Melderegisterauskunft liegt dem NDR vor. Darin auch der Vermerk: "Bei Mohamad A. handelt es sich anscheinend um eine Alias-Identität. Das Migrationsamt Bremen hat sowohl die Änderung des Namens als auch des Geburtsdatums veranlasst." Ursprünglich soll er vor Jahren Rumänien als Heimatland angegeben haben.

Welche Rolle spielen die Behörden?

So bleiben viele Fragen: Warum hat ihn die Stadt Bremen bei seinem Identitätswechsel unterstützt? Wie wurde die  Bremer Behörde auf die falsche Identität aufmerksam? Welche Konsequenzen haben die falschen Angaben, die  Milad H. alias Mohamad A. gegenüber der Behörde gemacht hat? Wie sorgfältig wurden die neuen Angaben überprüft? Wurde ein Asylantrag gestellt und existieren womöglich weitere Alias-Identitäten von Milad H.? Mehr als zehn Tage dauert es, bis die Bremer Polizei die knappe Antwort schickt, dass sie aus "kriminaltaktischen Gründen" keine Angaben machen könne. Milad H. äußert sich nicht zu seiner Alias-Identität.

Ermittlungen eingestellt

Bei der letzten Eigentümerversammlung im Wollepark vor rund zwei Wochen, ließ sich Milad H. in den Verwaltungsbeirat wählen, allerdings unter seiner Alias-Identität Mohamad A. Unter diesem Namen wurde er auch kürzlich in einer Ermittlungsakte der Oldenburger Staatsanwaltschaft geführt. Die Stadtwerke Delmenhorst hatten Anzeige erstattet, wegen der hohen Außenstände, die nicht bezahlt wurden. Sie vermuten, dass die Zahlungen für Gas und Wasser, die zwar vom Job-Center Delmenhorst direkt an die Wohnungseigentümer überwiesen wurden, dann aber nicht weitergegeben, sondern veruntreut wurden. Das Strafverfahren wegen Verdachts auf Veruntreuung ist jedenfalls eingestellt worden. Dagegen hat der Anwalt der Stadtwerke Beschwerde eingelegt. Warum die Staatsanwaltschaft nicht über die neue Identität des Mohamad A. informiert war, konnte die Ermittlungsbehörde noch nicht beantworten.

 

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Dieses Thema im Programm:

Regional Oldenburg | 28.09.2017 | 17:00 Uhr

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