Stand: 01.06.2018 14:54 Uhr

Tod eines 17-Jährigen auf Malta: Fragen bleiben

Ein 17-jähriger Oldenburger fährt vor zwei Jahren in den Sommerurlaub nach Malta und kommt nicht wieder. Nach langer Suche steht fest: Mike Mansholt ist tot. Ein Unfall, sagen die maltesischen Behörden. Doch die Eltern zweifeln an dieser Darstellung. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt wegen des Verdachts auf Totschlag gegen Unbekannt. Doch jetzt legt sie den Fall zu den Akten. Darüber hatte am Donnerstag zuerst die "Nordwest-Zeitung" (NWZ) berichtet. Einige Fragen in dem mysteriösen Fall werden wohl unbeantwortet bleiben.

Dem Leichnam fehlten Organe

Der junge Mann war alleine zu einer Radtour aufgebrochen und später tot an Maltas höchsten Klippen, den Dingli-Klippen, entdeckt worden. Woran starb er? An seinem Körper fanden sich keine Anzeichen eines Sturzes. Als die Leiche schließlich nach Deutschland gebracht wurde, fehlten zudem mehrere Organe. Einen Organspendeausweis hatte Mike Mansholt nicht, dieser wäre auf Malta zur Entnahme nötig gewesen. Die dortigen Behörden gingen davon aus, dass Nagetiere die Organe gefressen hatten. Doch dafür fanden sich bei einer Obduktion in Deutschland keine Hinweise.

Staatsanwaltschaft: Mansholt wurde nicht umgebracht

Die Staatsanwaltschaft ist nun aber sicher, dass Mike Mansholt nicht gewaltsam getötet wurde. Seine Organe seien offensichtlich entfernt worden, nachdem der Leichnam gefunden wurde, aber den Tod habe das nicht verursacht. Dass der Körper keine Brüche aufwies, könnte daran liegen, dass der Sturz des Jungen durch einen Baum abgebremst wurde, so die Einschätzung der Ermittler. In dem Baum wurde auch sein Fahrrad gefunden.

Vater lobt Arbeit der Staatsanwaltschaft

Für den Vater des Opfers, Bernd Mansholt, ist die Entscheidung der Oldenburger Anklagebehörde nachvollziehbar. Auch er glaubt nicht, dass jemand seinen Sohn getötet hat, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. "Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat alles nur Mögliche getan, war sehr hilfsbereit, freundlich und transparent", sagte Mansholt am Freitag. Abschließen kann er mit dem Tod seines Sohnes aber nicht. "Ich weiß, dass ich nicht alle Antworten bekommen werde, aber ich will alle Fragen gestellt haben", sagte Mansholt. Er will nicht aufhören, nach dem verschwundenen Rucksack und der Kamera seines Sohnes zu suchen. Für diese Gegenstände sowie Hinweise zur Todesursache hat er eine Belohnung von insgesamt 20.000 Euro ausgesetzt, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet.

Auf Malta laufen noch Ermittlungen

Geschlossen ist die Akte zudem bislang nur in Deutschland: Auf Malta gehen die Behörden immer noch der Frage nach, was mit den fehlenden Organen des Toten geschehen ist. Gerichtsmediziner könnten sie zu Forschungszwecken eingesetzt haben, so eine Theorie. Ermittelt wird zudem noch, warum der Leichnam des Jungen nicht einbalsamiert wurde, als er nach Deutschland überführt wurde. Das sei nämlich Vorschrift, sagte der Vater laut NDR 1 Niedersachsen.

"Möchte mir nicht ausmalen, was es für die Eltern bedeutet"

Dem zuständigen Staatsanwalt in Oldenburg ist die Einstellung des Verfahrens derweil offensichtlich nicht leicht gefallen. Im Einstellungsbescheid schreibt er: "Der Tod des jungen Mannes ist zweifelsohne tragisch, und ich möchte mir nicht ausmalen, was es für die Eltern bedeuten mag, womöglich nie verlässliche Antworten auf die sie bedrängenden Fragen nach den genauen Todesumständen, nach den letzten Stunden des Mike Mansholt bekommen zu können. Die Möglichkeiten der Staatsanwaltschaft Oldenburg indes sind erschöpft."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.06.2018 | 12:00 Uhr

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