Stand: 03.03.2019 12:58 Uhr

Stintfischer blicken besorgt in die Zukunft

Fischer Wilhelm Grube ist besorgt angesichts der Entwicklung des Stints.

Die wenigen verbliebenen Stintfischer im Norden hoffen auf bessere Fang-Mengen als in den vergangenen Jahren. Wilhelm Grube, einziger Stintfischer an der Oberelbe, bleibt jedoch skeptisch. Insgesamt gebe es seit Jahren einen starken Abwärtstrend. In den vergangenen Tagen habe er täglich bis zu rund 350 Kilogramm des lachsartigen Fisches aus dem Fluss geholt, berichtete Grube. Damit sei er leidlich zufrieden - zumal schon die Stintsaison im Vorjahr eine Katastrophe gewesen sei. Deshalb war er auch kurz davor, den Stintfang aufzugeben.

Ein Bottich mit Fischen.

Elbvertiefung: Schluss mit Stint?

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Wie lange er noch Stint fangen kann, weiß Wilhelm Grube nicht: Die Bestände gehen zurück. Die Elbvertiefung sieht der Stintfischer mit großer Sorge – und denkt ans Aufhören.

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Gibt es durch die Elbvertiefung weniger Stinte?

Die schlechte Ausbeute in 2018 führte Gruber damals darauf zurück, dass die Elbe bis in den März mit Treibeis bedeckt war. Diese Probleme gibt es dieses Jahr zwar nicht. Aber die Zeiten, in denen Grube Ende Februar bis zu einer Tonne des Delikatessen-Fisches fing, die seien vorbei. Gesunken seien die Fangmengen seit der Elbvertiefung um das Jahr 2000, sagte Grube. Unterhalb von Hamburg habe der Fluss nun eine Tiefe von teilweise 20 Metern, vor 100 Jahren seien es lediglich fünf Meter gewesen. Dadurch entstünden Sauerstofflöcher und der Stint könne nicht atmen. Fatal wirke sich auch das ständige Ausbaggern der Fahrrinne aus, sagte Grube. Das Wasser sei trüb, die kleinen Fische fänden keine Nahrung.

Fischkundler: Stint-Mengen seit fünf Jahren halbiert

Professor Ralf Thiel von der Universität Hamburg bestätigt die Eindrücke von Grube. Die Stintmengen hätten sich in den letzten fünf Jahren mindestens halbiert, sagte der Fischkundler dem NDR. Auch macht er das Zusammenspiel von mehreren Gründe dafür verantwortlich: Der Fisch vertrage die wärmeren Winter nicht. Zudem wirke sich das Ausbaggern negativ aus - das trübere Wasser raube dem Fisch neben der Sicht auch die Luft. Mit Sorge blickt Thiel auch auf die nächste Elbvertiefung. Dadurch werde sich die Situation für den Stint nochmal verschlechtern, sagte Thiel. Dies bedenklich, weil der Stint ein Schlüsselorganismus im Nahrungsnetz der Tideelbe ist. "Das heißt: Das ganze Nahrungsnetz könnte sich verändern", so der Fischkundler.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 03.03.2019 | 19:30 Uhr

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