Stand: 31.08.2018 15:07 Uhr

Rund 1.500 Windkraftanlagen sollen weg

Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat am Freitag den Energiewendebericht 2018 vorgestellt.

In Niedersachsen sind die Windkraftanlagen in den vergangenen 25 Jahren förmlich aus dem Boden geschossen. An zahlreichen Orten wurden Windparks errichtet, mittlerweile gibt es landesweit 6.277 Anlagen. Das wirkt sich auch auf die landesweite Energiebilanz aus: Rein rechnerisch kann Niedersachsen aktuell bereits 60 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energien decken. So steht es im Energiewendebericht 2018, den Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Freitag vorgestellt hat.

Spitze im Bundesvergleich

Dass Niedersachsen viel sauberen Strom produziert, liegt vor allem an der gut ausgebauten Windenergie: Laut dem Bericht verfügt Niedersachsen über 10,6 Gigawatt (GW) Windenergieleistung - mehr als jedes andere Bundesland. "Damit sind wir im Vergleich weit vor den anderen Ländern", sagte Lies, der dies auch als Standortvorteil für Niedersachsen sieht.

Lies: "Brauchen verlässliche Zubaugröße"

Gleichwohl gibt es auch Probleme: Die Windenergiebranche schwächelt, wie das Beispiel Enercon aktuell zeigt. Beim Anlagenbauer sollen etwa 800 Arbeitsplätze gestrichen werden. Für Umweltminister Lies auch eine Folge verfehlter Politik, weil die Bundesregierung zum Beispiel den Ausbau der Windenergie begrenzt. Lies hält das für falsch und kündigte an, darauf zu drängen, dass das geändert werde. "Wir brauchen bis 2025 eine verlässliche Zubaugröße, die die nach meiner Vorstellung bei 4.000 Megawatt liegen muss", so der Minister.

Ausbau schrumpft binnen zwei Jahren um 60 Prozent

Der Trend ist gegenläufig: Nach einem Zuwachs von 5.000 Megawatt (MW) im Jahr 2017, und erwarteten 4.000 MW für das laufenden Jahr, geht Lies für 2019 nur von einem Zuwachs von etwas mehr als 2.000 MW aus. Dies sei ein Grund für die Schieflage des Windenergie-Marktes, so Lies.

Anlagen sind in die Jahre gekommen

Abgesehen von der politischen Problemen stehen der Windenergie-Branche in Niedersachsen weitere Baustellen ins Haus: Viele der in den vergangenen 25 Jahren erbauten Anlagen sind die Jahre gekommen und müssen abgebaut werden. Vornehmlich in den nördlichen Landkreisen Aurich, Wittmund, Friesland und Wesermarsch könnten nach Schätzungen der Landesregierung bis zu 25 Prozent der Anlagen abgebaut werden. Welche Anlagen abgebaut würden, sei unklar, sagte Lies.

Leistung der Anlagen deutlich gestiegen

Experten gehen davon aus, dass rund 1.500 Windkraftanlagen in Niedersachsen vom Abbau betroffen sein werden. Viele von ihnen wurden in den 1990er-Jahren gebaut und haben oft nur geringe Leistungen von 500 bis 1.000 Kilowatt. Heute dagegen kommen die größeren Anlagen auf rund 3.500 Kilowatt (3,5 Megawatt). Die alten Anlagen an den gleichen Standorten durch neue zu ersetzen, wird kaum möglich sein. Für die technisch weitaus anspruchsvolleren Anlagen sind neue Genehmigungen notwendig, denn auch die Größe der Anlagen hat seitdem massiv zugenommen.

Nabenhöhe nimmt rasant zu

Nach Angaben des Bundesverbands Windenergie (BWE) ist die durchschnittliche Nabenhöhe in Niedersachsen von 50 bis 70 Meter in den 1990er-Jahren auf 137 Meter in 2018 gewachsen. Das entspricht heute einer durchschnittlichen Gesamthöhe inklusive Rotorblatt von rund 200 Metern. Je größer die Nabenhöhe, desto größer bemisst sich auch der erforderliche Abstand zu Wohngebäuden. Mindestens die dreifache Gesamthöhe der Anlage muss hier in der Regel eingehalten werden.

Weitere Informationen
3 MB

Zum Nachlesen: Der Energiewendebericht 2018

Das Umweltministerium hat den Energiewendebericht 2018 veröffentlicht. Dieser gibt einen Überblick über den Fortschritt der Energiewende in Niedersachsen. Lesen Sie hier den ganzen Bericht. Download (3 MB)

Größtes Windrad der Welt steht in Bremerhaven

In Bremerhaven ist in den vergangenen Monaten die weltgrößte Windkraftanlage gebaut worden. Der Rotordurchmesser beträgt 180 Meter, die Leistung acht Megawatt. (05.05.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.08.2018 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

01:24
Niedersachsen 18.00
03:34
Hallo Niedersachsen
03:36
Hallo Niedersachsen