Weiße, wachsartige Klumpen liegen auf der Ladefläche eines Fahrzeuges des Küstenschutzes auf der ostfriesischen Insel Langeoog. © dpa-Bildfunk Foto: Meik Julius/NLWKN/dpa

Paraffin am Strand: Lies fordert Verbot von Tankwaschungen

Stand: 30.04.2021 21:17 Uhr

Nachdem an der niedersächsischen Nordseeküste mutmaßliche Paraffin-Klumpen angespült worden sind, fordert Umweltminister Lies (SPD) ein Verbot sogenannter Tankwaschungen.

"Ich verurteile solche Verschmutzungen aufs Schärfste. Das Wattenmeer ist ein höchst sensibler Naturraum", sagte Olaf Lies am Freitag. Zwar seien die Verursacher schwer ausfindig zu machen, es müsse jedoch alles getan werden, "um diesen Schatz an unserer Küste zu schützen und zu bewahren". An den Stränden von Borkum, Langeoog und Spiekeroog sowie auch am Festland bei Butjadingen (Landkreis Wesermarsch) waren am Mittwoch und Donnerstag die Klumpen einer wachsartigen Substanz angespült worden.

Illegal entsorgte Ladungsreste?

Unklar ist auch, wo die Substanz herkommt. Die Polizei hält auch eine unterschiedliche Herkunft für möglich. Farbe und Aussehen ließen darauf schließen, dass es sich nicht bei allen Funden um ein und dieselbe Substanz handele, sagte ein Sprecher. Paraffin wird unter anderem als Brennstoff genutzt. Es wird in flüssiger Form in Tankschiffen transportiert. Nachdem in vergangenen Jahren immer wieder Paraffin- und Pflanzenfettrückstände an den norddeutschen Küsten angespült worden waren, wurde das Einleiten von Paraffin und paraffinähnlichen Stoffen ins Meer strikter geregelt - ein Verbot gibt es jedoch nicht. "Hier ist das Bundesverkehrsministerium gefordert, sich noch stärker für eine Anpassung der internationalen Regelungen für den Schiffsverkehr einzusetzen", sagte Lies.

Grüne fordern Auswertung von Satellitenbildern

Seit Januar sind die Reeder verpflichtet, ihre Tanks nach der Entladung in den Häfen zu reinigen und die Waschreste an Land zu entsorgen. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz geht davon aus, dass die Regelung ignoriert wurde. Sie fordert, dass die Landesregierung angesichts einer "Paraffin-Schwemme" an den Stränden nun umgehend alle Möglichkeiten zur gezielten Überwachung wahrnehmen müsse, um die Verursacher haftbar machen zu können. Dies könne etwa durch eine Auswertung von Satellitenbildern erfolgen, so Janssen-Kucz.

Wasserschutzpolizei ermittelt

Das Ausmaß der Verschmutzung an der Küste ist unklar, die Wasserschutzpolizei ermittelt. Mitarbeiter der betroffenen Inselgemeinden und des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hatten am Donnerstag damit begonnen, die Anlandungen einzusammeln. Die Größe der bisherigen Funde variiert: Auf Borkum seien Klumpen gefunden worden, die so groß wie Wassermelone seien, andernorts seien die Stücke so groß wie eine Handfläche, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei.

Genaue Analyse steht noch aus

Ob es sich tatsächlich um Paraffin handelt, ist ebenfalls unklar. Laut einem NLWKN-Sprecher sollen Proben analysiert werden. Spaziergänger an den Stränden sollen die weißlichen Klumpen weder anfassen noch daran schnuppern. Rohparaffin kann Augen, Haut und Atemwege reizen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.04.2021 | 08:00 Uhr

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