Stand: 02.02.2017 14:59 Uhr

Osterbruch: Haftbefehl nach Schuss auf Veterinär

Nach dem Schuss auf einen Tierarzt im Landkreis Cuxhaven hat das Amtsgericht Otterndorf Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter erlassen. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade, Kai Thomas Breas, gegenüber NDR.de mitteilte, wird dem 55-jährigen Landwirt versuchter Totschlag vorgeworfen. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Der Mann hatte am Mittwochvormittag auf seinem Bauernhof in Osterbruch (Landkreis Cuxhaven) im Beisein zweier Polizisten dem Leiter des Kreisveterinäramtes in den Bauch geschossen. Nach Angaben von Breas erlitt der Beamte erhebliche Verletzungen an den Organen. Sein Zustand sei stabil, aber weiterhin kritisch.

Bauer schießt unvermittelt auf Veterinär

Der Vorfall ereignete sich, als mehrere Mitarbeiter des Veterinäramtes Rinder, Schafe und Pferde des Bauern wegen nicht artgerechter Haltung vom Hof abholen wollten. Das Verwaltungsgericht hatte zuvor ein Tierhaltungsverbot bestätigt. Weil der Landwirt den Kreisbehörden als Problemfall bekannt war, wurden die Tierärzte von den beiden Polizisten begleitet. Nach Angaben der Polizei wollte der Kreisveterinär dem Landwirt eine Verfügung über die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz aushändigen, woraufhin dieser kurz ins Haus gegangen sei. "Als er wieder rauskam, hat er geschossen", sagte Polizeisprecher Helge Cassens. Einer der Polizisten habe anschließend einen Warnschuss abgegeben. Der 55-Jährige ließ sich daraufhin widerstandslos festnehmen. Kriminalbeamte aus der Polizeiinspektion Verden/Osterholz sicherten nach der Tat Spuren auf dem Bauernhof. Laut Cassens übernahmen sie aufgrund der indirekten Beteiligung eines Cuxhavener Polizeibeamten aus Neutralitätsgründen die Ermittlungen.

Landwirt als Waffenbesitzer bekannt

Wie das Ordnungsamt Cuxhaven bestätigte, besaß der Landwirt zwei Waffen, die er von seinem Vater geerbt hatte. "Er hat sie bereits Anfang der 80er-Jahre ordnungsgemäß angemeldet und auch die notwendigen Waffenbesitzkarten beantragt", sagte Amtsleiter Burkhard Wettwer gegenüber NDR.de. Zuletzt habe eine Überprüfung im Jahr 2011 ergeben, dass die Waffen in einem normgerechten Schrank gelagert wurden. "Er durfte die Waffen allerdings nur besitzen und nicht nutzen", so Wettwer. "Von daher hätte er keine Munition haben dürfen." Staatsanwaltschaftsprecher Breas sagte, es müsse im Rahmen der Ermittlungen noch geklärt werden, mit welcher Waffe geschossen worden sei und ob es sich dabei um eines der Erbstücke gehandelt habe.

Landrat: "So etwas hat es noch nie gegeben"

"Ich bin entsetzt darüber und fassungslos, was dort passiert ist", sagte Landrat Kai-Uwe Bielefeld (parteilos). Zwar gebe es bei derartigen Maßnahmen häufiger Rangeleien und Pöbeleien, jedoch keine schweren Gewalttaten. "Es war bekannt, dass der Landwirt ein schwieriger unkooperativer Mensch ist, aber mit einem solchen Gewaltexzess war überhaupt nicht zu rechnen", betonte Bielefeld. Davon habe auch die Polizei nicht ausgehen können. Der Veterinär sei zudem sehr erfahren in Konfliktsituationen. "So etwas hat es noch nie gegeben", sagte Bielefeld und äußerte die Hoffnung, dass der Tierarzt, der kurz vor der Pensionierung steht, sich wieder vollständig erholt.

Aggressionen gegen Behördenmitarbeiter nehmen zu

Anlässlich des Zwischenfalls in Osterbruch hat der Landkreis Stade auf die zunehmende Aggression gegen Behördenmitarbeiter hingewiesen. "Das ist bei uns in allen Ämtern zu spüren und reicht von Beleidigungen bis hin zu Übergriffen", sagte Landrat Michael Roesberg (parteilos). Verbale Attacken seien leider fast schon an der Tagesordnung. Im Kreishaus sei kürzlich von einem wütenden Bürger sogar eine Scheibe eingeschlagen worden. "Solche Sachbeschädigungen sind die Vorstufe zur körperlichen Gewalt", so Roesberg. Der Landrat betonte, dass sämtliche Beleidigungen und Bedrohungen angezeigt würden. Außerdem gebe es im Kreishaus ein Alarmsystem zum Schutz der Mitarbeiter.

NLT fordert mehr Respekt

Der Niedersächsische Landkreistag (NLT) mahnte in einer Mitteilung mehr Respekt für Behördenmitarbeiter an. "Wir appellieren, stärker zu trennen zwischen den behördlichen Entscheidungen und den konkreten Personen, die sie umzusetzen haben", sagte NLT-Präsident Klaus Wiswe. "Wir brauchen mehr gesellschaftliche Akzeptanz für diejenigen, die entsprechend unseren rechtstaatlichen Grundsätzen Entscheidungen vor Ort vollziehen."

2015: Bauer erschießt Tierarzt in Brandenburg

Andernorts hat es einen sehr ähnlichen Fall wie in Osterbruch im Jahr 2015 gegeben: In Nauen (Brandenburg) erschoss ein Landwirt einen Veterinär, als dieser seine Tiere beschlagnahmen wollte. Das Landgericht Potsdam verurteilte den 72-jährigen Schützen zu sieben Jahren Haft.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.02.2017 | 12:00 Uhr

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