Ein Polizeiwagen mit der Aufschrift "Cyber-Polizei". © picture alliance Foto: Christophe Gateau

Oldenburger Ermittler schalten weltgrößten Darknet-Markt ab

Stand: 12.01.2021 19:11 Uhr

Gemeinsam mit Kollegen aus Koblenz haben Ermittler aus Oldenburg den "vermutlich größten illegalen Marktplatz im Darknet" namens DarkMarket am Montag geschlossen und die Server abgeschaltet.

Wie die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz am Dienstag mitteilte, ist der mutmaßliche Betreiber festgenommen worden. In Moldawien und der Ukraine wurden mehr als 20 Server beschlagnahmt. Nach Angaben der Ermittler wurde auf dem illegalen Markplatz vor allem mit Drogen, aber auch mit Falschgeld, gestohlenen Kreditkartendaten, anonymen SIM-Karten und Schadsoftware gehandelt.

Pistorius lobt Ermittlungsarbeit

"Ich freue mich darüber, dass dieser herausragende Schlag gegen Schwerkriminelle im Darknet mithilfe niedersächsischer Expertise gelungen ist", sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD). "Das ein beeindruckender Beleg für die Qualität des Personals und der Strukturen in unseren Polizeibehörden." Die Operation wurde nach Angaben des Innenministeriums von der Zentralen Kriminalinspektion Oldenburg geführt.

Geschäfte im Wert von 140 Millionen Euro

Laut der Generalstaatsanwaltschaft wurden über den Marktplatz im Darknet mehr als 320.000 Geschäfte abgewickelt und mehr als 4.650 Bitcoin sowie 12.800 Monero - zwei der gängigsten Kryptowährungen - bewegt. Das entspricht nach derzeitigem Kurs einer Summe von mehr als 140 Millionen Euro. "Der DarkMarket war bis zum Zeitpunkt der Schließung mit seinen fast 500.000 Nutzern und mehr als 2.400 Verkäufern der wohl weltweit größte Darknet-Marktplatz", teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.

Kooperation mit ausländischen Behörden

Kooperiert hätten die Ermittler aus Niedersachsen und Rheinland-Pfalz mit Behörden in den USA, Australien, Großbritannien, Dänemark, der Schweiz, der Ukraine und in Moldawien. Europol habe die Koordination übernommen. Bei dem Festgenommenen, der verdächtigt wird, Betreiber des illegalen Markplatzes gewesen zu sein, handelt es sich um einen 34-jährigen Australier. Er war am Wochenende an der deutsch-dänischen Grenze von Oldenburger Ermittlern und Beamten aus Schleswig-Holstein festgenommen worden. Der Beschuldigte sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Er habe bislang keine Angaben zur Sache gemacht, hieß es.

Zusammenhang mit "Cyber-Bunker"

Der Schlag gegen die illegale Plattform steht im Zusammenhang mit dem sogenannten Cyber-Bunker an der Mosel. Dort sei zeitweise auch DarkMarket gehostet worden. In dem alten Bunker im rheinland-pfälzischen Traben-Trarbach sollen acht Tatverdächtige über Jahre hinweg ein illegales Rechenzentrum für kriminelle Geschäfte im Darknet betrieben haben. Die Anklage wirft der mutmaßlichen Bande in dem laufenden Prozess Beihilfe zu mehr als 249.000 Straftaten vor: Über den Server im Cyber-Bunker sollen vor allem millionenschwere Drogendeals, aber auch Cyber-Angriffe und Falschgeldgeschäfte gelaufen sein.

Mutmaßliche Betreiber des Cyber-Bunkers vor Gericht

Die unterirdische Anlage war Ende September 2019 in einer großen Aktion mit Hunderten Polizisten nach fünfjährigen Ermittlungen ausgehoben worden. Vier Niederländer, drei Deutsche und ein Bulgare müssen sich in einem bis Ende 2021 terminierten Strafverfahren verantworten. Erstmals in Deutschland stehen mutmaßliche Betreiber krimineller Plattformen im Darknet vor Gericht.

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Blick auf den Lappan, das Wahrzeichen der Stadt Oldenburg. © NDR Foto: Julius Matuschik
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 12.01.2021 | 13:30 Uhr

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