Stand: 24.08.2020 17:44 Uhr

Oldenburg: Cloppenburger Familienclan vor Gericht

Vor dem Eingang eines Gebäudes steht ein Schild mit der Aufschrift Landgericht Oldenburg. © NDR Foto: Julius Matuschik
Die vier Männer und zwei Frauen stehen wegen schweren Bandendiebstahls in 24 Fällen vor Gericht. (Themenbild)

Mehrere Mitglieder einer Familie aus Cloppenburg, die zahlreiche Diebstähle im Nordwesten Niedersachsens verübt haben sollen, müssen sich seit Montag vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird den insgesamt sechs Angeklagten schwerer Bandendiebstahl in 24 Fällen vorgeworfen. Unter anderem sollen sie Luxuslimousinen, Anhänger und Reifen, aber auch Baumarkt- und Büroartikel gestohlen und weiterverkauft haben.

Vier Männer in Untersuchungshaft

Der dabei entstandene Schaden geht nach Angaben der Ermittler in die Millionen. Eine Sonderkommission der Polizei Cloppenburg hatte über Monate ermittelt. Seit Februar sitzen vier Männer im Alter zwischen 28 und 50 Jahren in Untersuchungshaft. Vor Gericht müssen sich zusätzlich zwei Frauen verantworten, die nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen unter anderem den Transporter mit dem Diebesgut gefahren haben sollen. Eine zweite Anklage mit weiteren Taten ist dem Gericht bereits zugestellt.

Wegen Corona: Größter Saal zu klein

Unterdessen wurde am Montag zum Auftakt klar, dass der Prozess räumlich verlegt werden muss. Denn selbst der größte Saal im Oldenburger Landgericht ist zu klein, um die Corona-Abstandsregeln einzuhalten. Sechs Angeklagte, deren Rechtsanwälte, die Justizbeamten, die für die Sicherheit sorgen, der Staatsanwalt, die Vorsitzende Richterin, ihre beiden Beisitzer, die Schöffen und die Schreibkraft nehmen an dem Prozess teil - das sind 29 Personen, hinzu kommen 13 Zuhörer.

Nicht der erste Umzug

Die Anwälte monierten, dass dies zu viele Menschen seien und stellten den Antrag, den Prozess an einen anderen Ort zu verlegen. Die Vorsitzende Richterin lehnte den Antrag nach kurzer Beratung ab, allerdings nur für den ersten Prozesstag. Für alle weiteren Verhandlungstage muss das Gericht noch entscheiden, sagt Torben Tölle, Sprecher des Landgerichts. Eine Verlegung sei mit erheblichen Kosten verbunden, so Tölle. Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass ein Oldenburger Gericht umzieht. Der Prozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel fand in den Weser-Ems-Hallen statt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 24.08.2020 | 17:00 Uhr

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