Stand: 17.07.2018 21:05 Uhr

Nitrat im Grundwasser wird Fall für Justiz

Vor wenigen Wochen erst hat Deutschland wegen der zu hohen Nitratbelastung im Wasser einen Rüffel von der EU kassiert. Jetzt verklagt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Bundesregierung, um schärfere Regeln fürs Düngen zu erzwingen. Die Klage liegt seit Dienstag beim Oberverwaltungsgericht in Berlin vor. "Die Belastung mit Nitrat ist so hoch wie in fast keinem anderen EU-Staat", sagte Jürgen Resch von der DUH dem NDR Fernsehen. Nur Malta habe schlechtere Werte. Mit der Klage solle erreicht werden, dass die Bundesregierung gezwungen wird, die Düngeverordnung und andere Regeln so zu ändern, dass sehr viel weniger Dünger in die Umwelt ausgebracht und damit das Grundwasser sauberer werde.

Landvolk: Klage ist Aktionismus

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Das Nitrat im Wasser stammt größtenteils von Gülle in der Landwirtschaft. Der Stoff ist wichtig fürs Planzenwachstum - aber Rückstände in Wasser und Boden können Menschen und Natur schaden. Niedersächsische Landwirte halten von der Klage allerdings nichts. Sie sei fachlich unbegründet, so Hubertus Berges vom Landvolk Cloppenburg gegenüber dem NDR Fernsehen: "Ich gehe davon aus, dass sie sich auf alte Werte beziehen und die Auswirkungen der neuen Düngeverordnung kann man letzten Endes noch gar nicht beurteilen," so Berges. Deswegen sei die Klage politischer Aktionismus.

Verschärfte Düngeverordnung

Die Bundesregierung selbst hatte in ihrem Bericht 2016 eingeräumt, dass an 28 Prozent der Messstellen in Agrargebieten die EU-Grenzwerte von 50 Milligramm pro Liter im Grundwasser überschritten werden. Im vergangenen Jahr wurde das Düngerecht daraufhin nach langem Gezerre verschärft. Umweltschützer glauben, dass es trotzdem noch zu lasch ist. Wie sich die neue Verordnung auf die Nitratwerte auswirkt, kann sich tatsächlich erst im nächsten Bericht zeigen - und der ist erst 2020 fällig. Erst dann liegen neue Messdaten vor.

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Im Juni hatte der Europäische Gerichtshof Deutschland wegen der zu hohen Nitratwerte verurteilt. Auch dabei ging es um das alte, noch nicht verschärfte Düngerecht. Inwiefern die neue Verordnung nach dem EU-Urteil weiter überarbeitet werden müsse, werde derzeit mit der EU-Kommission besprochen, sagte das Bundeslandwirtschaftsministerium. Vom Umweltministerium hieß es, Ziel sei, den Schutz des Grundwassers weiter zu verbessern. Es müsse aber auch darum gehen, die EU-Subventionen für die Landwirtschaft stärker nach Umweltaspekten auszurichten.

Auch Phosphor ein Problem

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) wies in Osnabrück auf ein weiteres Umweltproblem in der Landwirtschaft hin - die Nebenwirkungen der Phosphor-Nutzung: Zwar sei Pflanzenwachstum ohne einen funktionierenden Phosphorhaushalt nicht vorstellbar, sagte Generalsekretär Alexander Bonde. Auf der anderen Seite könne sein übermäßiger Gebrauch in der Landwirtschaft Böden und Gewässer schädigen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 17.07.2018 | 21:45 Uhr

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