VIDEO: Niedersachsen protestieren gegen Atommüll (02.02.2020) (1 Min)

Niedersachsens Innenministerium bestätigt Castor-Transport

Stand: 16.10.2020 13:02 Uhr

Die Innenministerien von Niedersachsen und Hessen haben bestätigt, dass ein Castor-Transport bevorsteht. Er soll durch Niedersachsen ins südhessische Biblis rollen. Weitere Details nannten sie nicht.

Der hochradioaktive Atommüll kommt aus der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield in England. Das Material soll im Zwischenlager in Biblis untergebracht werden. Atomkraftgegner und Umweltschützer gehen davon aus, dass es sich um sechs Castorbehälter handelt und der Transport Anfang November über den niedersächsischen Hafen Nordenham (Landkreis Wesermarsch) ins Land kommen wird. Dort soll er auf einen Zug verladen und weitertransportiert werden.

Proteste in Niedersachsen erwartet

Aktivisten haben bereits zu Protesten aufgerufen. Sie führen unter anderem Sicherheitsbedenken an. In dem Zwischenlager beim abgeschalteten Atomkraftwerk Biblis gebe es im Notfall keine Reparaturmöglichkeiten für die bis zu hundert Tonnen schweren Behälter, heißt es. Der Arbeitskreis Wesermarsch fordert Aufklärung darüber, ob die möglichen Transportschiffe geeignet seien. Man beobachte den Hafen in Sellafield und werde umgehend Protestgruppen im Land mit einem sogenannten Castor-Alarm informieren, sobald gesicherte Erkenntnisse über den Transportbeginn vorlägen.

Polizeigewerkschaften drängen auf Absage

Dieser Castor-Transport war ursprünglich für das Frühjahr angekündigt, wurde wegen der Corona-Pandemie allerdings verschoben. Die Polizeigewerkschaften drängen darauf, auch die Neuansetzung abzusagen. "Wenn nun von der Polizei erwartet wird, dass sie die Corona-Auflagen und den Gesundheitsschutz stärker durchsetzen soll, dann ist es aus unserer Sicht nicht vereinbar, dass Anfang November ein Nukleartransport von der Polizei quer durch Deutschland begleitet werden soll", sagte der Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek. Der Gesundheitsschutz müsse Priorität haben. Und Rainer Wendt, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft (DPolG), sagte: "Einen Nukleartransport von Cuxhaven nach Biblis zu begleiten und zeitgleich verschärfte Kontrollmaßnahmen an den Landesgrenzen zur Eindämmung der Pandemie durchzuführen, wird nicht funktionieren."

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Der in England aufbereitete Atommüll stammt ursprünglich aus deutschen Meilern. Aufgrund internationaler Verträge muss Deutschland den Atommüll aus den Wiederaufbereitungsanlagen zurücknehmen. Bis ein geeignetes Atommüll-Endlager gefunden ist, werden die Behälter in sogenannten Zwischenlagern untergebracht - bis 2011 auch im Landkreis Lüchow-Dannenberg in Gorleben.

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Der Zug mit den Castor-Transportbehältern fährt in Dannenberg in den Verladebahnhof ein. © picture-alliance/ dpa/dpaweb Foto: Maurizio Gambarini

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.10.2020 | 09:00 Uhr

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