Nach Havarie: "Mumbai Maersk" legt in Bremerhaven an

Stand: 04.02.2022 20:53 Uhr

Unter Leitung des Havariekommandos Cuxhaven ist in der Nacht zu Freitag die vor Wangerooge festgefahrene "Mumbai Maersk" freigeschleppt worden. Am Nachmittag machte das Schiff in Bremerhaven fest.

Der Frachter hatte nach seiner Bergung vor Wangerooge und einem anschließenden Funktionstest in der Nordsee die Freigabe bekommen, aus eigener Kraft Bremerhaven anzusteuern. Begleitet wurde er dabei von zwei Schleppern. In Bremerhaven soll nun die Ladung gelöscht werden. Nach Angaben des Chefs des Havariekommandos, Robby Renner, hat die "Mumbai Maersk" rund 7.300 Container geladen.

Auch Hochseeschlepper aus Niederlanden im Einsatz

Das Containerschiff hatte am späten Mittwochabend auf seiner Fahrt von Rotterdam nach Bremerhaven vor Wangerooge den Meeresboden berührt. Das Havariekommando übernahm kurz darauf die Gesamteinsatzleitung und schickte zwei Mehrzweckschiffe zum havarierten Frachter. Noch in der Nacht starteten die Experten einen ersten Versuch, den Container-Riesen vom Grund freizubekommen. Dieser schlug jedoch fehl. Am Donnerstag sammelten sie dann Daten über das Schiff und die Beschaffenheit des Meeresbodens, um ein Bergungskonzept zu erarbeiten. Laut Havariekommando-Chef Renner wurden daraufhin 7.000 Tonnen Ballastwasser aus dem Schiff abgepumpt und zwei Hochseeschlepper aus den Niederlanden zum Havaristen geordert.

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"Enorme Kräfte" zum Freischleppen nötig

Mit insgesamt vier Hochseeschleppern und fünf weiteren Schleppern gelang es den Experten in der Nacht zu Freitag schließlich, das havarierte Schiff aus seiner festgefahrenen Lage zu befreien. "Um ein Schiff dieser Größe bewegen zu können, das sich einmal festgesetzt hat, braucht man enorme Kräfte", sagte Renner. Die im Jahr 2018 fertiggestellte "Mumbai Maersk" ist 399 Meter lang, 58 Meter breit und hat einen Tiefgang von 12,80 Metern. Der technische Direktor der Behörde, Dieter Schmidt, erklärte, dass die Bergung aufgrund der Größenordnung des Schiffes "definitiv keine Routine" gewesen sei.

Erleichterung nach erfolgreicher Bergung

Umso mehr zeigte sich Havariekommando-Chef Renner erleichtert darüber, dass der zweite Bergungsversuch so schnell glückte. Schlimmstenfalls hätte sich die Bergung den Angaben zufolge über Wochen hinziehen können, wenn das Freischleppen in der Nacht zu Freitag missglückt wäre. Die Schlepper zogen die "Mumbai Maersk" zunächst in tieferes Wasser. Die anschließenden Funktionstests ergaben, dass weder Ruderanlage noch Antriebsmaschinen Schäden davongetragen haben. Daraufhin erteilte die Schifffahrtspolizei der "Mumbai Maersk" in Begleitung von zwei Schleppern die Freigabe zur Weiterfahrt.

Wasserschutzpolizei ermittelt Unfallhergang

Keine Angaben konnte das Havariekommando dazu machen, wie es dazu kommen konnte, dass der Frachter auf Grund lief. Dies sei nicht Aufgabe der Behörde, stellte Renner klar. In der Sache ermittelten jetzt die Wasserschutzpolizei und die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen in Hamburg. Die Reederei Maersk will den Fall auch intern überprüfen. Für die Kosten des Einsatzes wird laut dem Havariekommando wohl die Versicherung der Reederei aufkommen.

Konkurrenz-Situation auf See

Wangerooges Bürgermeister Marcel Fangohr (parteilos) forderte nach der Havarie die Anschaffung eines weiteren Schleppers für die Deutsche Bucht, um im Notfall schneller reagieren zu können. Die Inseln müssten zudem für mögliche Ölunfälle besser ausgestattet werden. Laut Havariekommando-Chef Renner hat sich die Seefahrt in den vergangenen Jahren rapide verändert. Der Schiffsverkehr nehme zu, die Schiffe würden immer größer und mit dem Bau von Offshore-Windparks werde die Fläche für alle Beteiligten enger. An klassischen Nadelöhr-Stellen wie Häfen und Flussmündungen sei es nicht möglich, einen großen Abstand zum Land oder zu Untiefen einzuhalten. Deshalb müsse sich das Havariekommando zusammen mit Partnerbehörden und Einsatzkräften auf mehr Schadenslagen vorbereiten und dafür trainieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 04.02.2022 | 15:00 Uhr

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Schifffahrt

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