In einer Trommel liegen die Lose für die DFB-Pokalauslosung. © imago images / MaBoSport

Nach Auslosung des Niedersachsenpokals: Posse um Loskugeln

Stand: 20.07.2021 07:52 Uhr

Die Auslosung des Landespokals, die coronabedingt anstelle der Fußballpartien stattfand, hat ein unsportliches Nachspiel. Die Kontrahenten: Niedersächsischer Fußballverband und Loskugel-Unternehmen.

Der Gegenstand: 50 rote, hohle Kunststoffkugeln mit Schraubverschluss in der Mitte, erstanden für einen hohen dreistelligen Eurobetrag. Und so dreht sich dieser Clinch gar nicht um Fußball, sondern vielmehr um die Regeln rund um Kauf, Widerruf, Reklamation und Erstattung. Denn der Niedersächsische Fußballverband (NFV) will die für die Auslosung extra bestellten und auch benutzten Loskugeln nicht bezahlen. Mit einer Beschwerde hat sich das Gelsenkirchener Unternehmen Arts of Elements jetzt direkt an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gewandt. Man habe vom Widerrufsrecht Gebrauch gemacht und die 50 Kugeln zurückgeschickt - nach der Auslosung am 31. Mai, sagte NFV-Sprecher Manfred Finger dem NDR in Niedersachsen. Und nachdem der NFV mehrfach reklamiert und auch einzelne Ersatzkugeln erhalten habe.

Kratzer und abgeblätterte Farbe

Stein oder vielmehr Kugel des Anstoßes aus Sicht des NFV: die mangelhafte Qualität der Losbälle. Denn bereits bei den Probeläufen für die Auslosung habe man Kratzer und an einigen Stellen auch abgeblätterte Farbe festgestellt. Zwei seien sofort zerbrochen, einige hätten sich nur schwer öffnen lassen. So habe man mehr als die Hälfte der Kugeln vorab aussortieren müssen, erzählt Finger. Schließlich hätten sich Kugeln mit Makel bei der Auslosung, die gefilmt und live im Internet übertragen wurde, identifizieren lassen können. "Um das auszuschließen, haben wir nur die elf verwendet, an denen absolut nichts war", betont Finger.

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Firma: NFV wollte Ersatzkugeln nicht haben

Für den Verkäufer der Kugeln stellt sich der Ablauf des Ganzen etwas anders dar. Am 28. Mai seien die 50 bestellten Kugeln beim NFV abgeliefert worden, sagte Firmeninhaber Gerd Müsel dem NDR in Niedersachsen. Am 1. Juni, einen Tag nach der Auslosung, habe der Verband angerufen: Die Kugeln seien nicht in Ordnung, der Lack löse sich ab. Daraufhin habe die Firma die Kugeln neu angefertigt, um Ersatz zu schicken - die habe der NFV aber nicht mehr haben wollen. Nach Ansicht von Müsel drängt sich der Verdacht auf, dass der Verband nach der Auslosung, die wahrscheinlich einmalig war, für die Kugeln einfach keine Verwendung mehr habe.

Nur für den einmaligen Gebrauch?

"Loskugeln nachträglich nach ordnungsgemäßer, öffentlich aufgeführter und notariell bestätigter Auslosung mit mehrfachem Einsatz dieser Kugeln zu reklamieren, welche nur für einen einmaligen Einsatz bestellt wurden, ist für uns ein Sachverhalt, welcher in keiner Weise nachvollziehbar und akzeptierbar ist", empört sich Arts of Elements in dem Schreiben des Unternehmens an den DFB, aus dem der Sport-Informations-Dienst (SID) zitiert. Außerdem stellt das Unternehmen die Rechtmäßigkeit der Auslosung des VfL Oldenburg infrage, wenn die Kugeln laut NFV doch mangelhaft seien.

Auslosung "ordnungsgemäß durchgeführt"

Das wiederum ärgert den NFV. "Die Auslosung zum Niedersachsenpokal wurde ausschließlich mit einwandfreien, makellosen Kugeln des Kontingents unter notarieller Aufsicht ordnungsgemäß durchgeführt und ist in keinster Weise zu beanstanden", so der Verband. Und: Selbstverständlich habe man die Kugeln erneut für Auslosungen anderer Wettbewerbe verwenden wollen. Das sei nun aber aufgrund der mangelhaften Qualität gar nicht möglich gewesen. Inzwischen liegt der Fall auf beiden Seiten bei den Anwälten - Ausgang des Rechsstreits offen.

Virtueller Niedersachsenpokal - ein Novum

Es war das erste Mal in der Geschichte des Fußballverbands, dass der Niedersachsenpokal der Amateure nicht auf dem Platz ausgetragen wurde. Wegen der ungewissen Pandemie-Lage hatten sich NFV und die im Wettbewerb verbliebenen Clubs darauf geeinigt, die noch ausstehenden Partien - vom Achtelfinale bis zum Endspiel - per Los zu entscheiden. Denn eine sportliche Ermittlung des Siegers schien bis zum Ende der Meldefrist am 1. Juli fraglich. Schließlich schaffte der VfL Oldenburg per Losentscheid den Sprung in die erste Runde des DFB-Pokals - und zwar bei der im Internet live übertragenen Ziehung am 31. Mai. Der Oberligist trifft nun am 8. August in der ersten Runde des DFB-Pokals auf Fortuna Düsseldorf. An die roten Kugeln, mit denen dieses Ereignis für die Oldenburger begonnen hat, wird dann wohl niemand mehr denken.

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Der DFB-Pokal © IMAGO / Picture Point LE

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.07.2021 | 08:00 Uhr

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