VIDEO: Niels Högel sagt vor Gericht gegen ehemalige Vorgesetzte aus (3 Min)

Mörder Högel äußert sich als Zeuge zu einzelnen Opfern

Stand: 02.03.2022 19:52 Uhr

Der verurteilte Patientenmörder Niels Högel hat am Mittwoch erneut als Zeuge am Landgericht Oldenburg ausgesagt. Angeklagt sind frühere Vorgesetzte des ehemaligen Krankenpflegers.

Richter Sebastian Bührmann befragte den wegen 85-fachen Mordes an Patienten verurteilte früheren Pfleger zu konkreten Todesfällen. Nur zu einem machte er genauere Angaben - dem vorletzten. Er könne sich an den Patienten gut erinnern, da er einer der ersten Thorax-Patienten auf der Station gewesen sei. Er habe zu dieser Zeit schon nicht mehr darauf geachtet, die Spuren seiner Tat zu verwischen. Er habe gedacht, dass langsam "endlich mal einer dahinter kommen muss". Ihm selbst habe der Mut gefehlt, zur Polizei zu gehen. Bei seiner vorletzten Tat wurde Högel erwischt. Dennoch absolvierte er danach zwei weitere Dienste. In seiner letzten Schicht ermordete er eine Frau.

Verteidiger hinterfragen Glaubwürdigkeit

Im Verlauf dieses zweiten Prozesstages stellten die Verteidiger am Mittwoch immer wieder die Glaubwürdigkeit des Zeugen in Frage. Unter anderem thematisierten sie den Erwartungsdruck, unter dem Högel stehe. Er sei verantwortlich für den Tod „von mehr Menschen, als hier im Saal sitzen“, so ein Anwalt. Ein weiterer sprach die Schutzweste an, die der Zeuge trug: "Das macht doch auch was mit einem Zeugen.“ Ebenfalls um Glaubwürdigkeit soll es in Zusammenhang mit einem Telefoninterview, einem entsprechenden Medienvertrag sowie möglichen Geldflüssen gehen. Hierzu seien Unterlagen aus seiner Zelle beschlagnahmt worden.

Zwischen 2000 und 2005 wehrlose Patienten umgebracht

Weiteres Thema war das Arbeitsklima auf der herzchirurgischen Intensivstation in Oldenburg. Dort hatte er zahlreiche Menschen getötet. Die Arbeitsbeziehungen seien gut und freundlich gewesen, sagte Högel vor Gericht. "Ablehnung habe ich nie erlebt." Als er damit angefangen habe, den Patienten nicht verordnete Medikamente zu spritzen, habe er noch alles dafür getan, um nicht entdeckt zu werden, sagte Högel. Später habe er das nicht mehr gemacht. Der 45-Jährige hatte in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst von 2000 bis 2005 wehrlose Patienten umgebracht.

Vorgesetzte sollen Hinweise gehabt haben

Das Oldenburger Landgericht versucht in dem Prozess herauszufinden, warum sieben Verantwortliche aus den beiden Kliniken nicht eher etwas bemerkt haben. Sie sind in unterschiedlichem Umfang wegen Beihilfe zum Totschlag beziehungsweise versuchtem Totschlag jeweils durch Unterlassen angeklagt. Sie sollen nichts gegen die Verbrechen unternommen haben, obwohl ihnen Hinweise darüber vorgelegen hätten, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Högel 2019 zu lebenslanger Haft verurteilt

Bei den Angeklagten handelt es sich um drei Ärzte, drei leitende Pflegerinnen und Pfleger und einen Ex-Klinik-Geschäftsführer der Kliniken Oldenburg und Delmenhorst. Högel war 2019 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden, die er in der JVA Oldenburg verbüßt. Er war bereits am Dienstag im Prozess um seine ehemaligen Vorgesetzten vor Gericht vernommen worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.03.2022 | 12:00 Uhr

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