Stand: 09.01.2018 15:26 Uhr

Lies fordert Sender für Cuxhavener Wolfsrudel

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat angekündigt, ein auffälliges Wolfsrudel mit Sendern versehen zu lassen. Das teilte das Umweltministerium am Dienstag in Hannover mit. Dem Rudel werden zahlreiche Risse von Nutztieren, vor allem von Rindern, im Raum Cuxhaven zugerechnet. Dabei hatten die Wölfe offenbar auch mehrfach Schutzzäune überwunden. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) war vom Ministerium um eine Einschätzung in dieser Frage gebeten worden. "Die DBBW kommt zu dem Schluss, dass die durch Wölfe gerissenen Nutztiere im Landkreis Cuxhaven nicht ausreichend geschützt waren", hieß es in der Mitteilung des Ministeriums vom Dienstag.

Vergrämung wie bei "Kurti"?

Laut Lies habe das Gutachten der DBBW keine grundlegend neuen Erkenntnisse gebracht. Die Gutachter hätten unter anderem empfohlen, den Schutz der Weidetiere zu intensivieren. "Auch wir werben intensiv dafür, Weidetierbestände wolfssicher einzuzäunen oder Herdenschutzhunde einzusetzen und haben dafür die Förderkulisse ausgeweitet. Herdenschutz ist also wichtig", betonte Lies, teilte für die aktuell konkret betroffene Region aber auch mit: "In Cuxhaven aber lässt sich so das Problem nicht lösen." Im Fall des Cuxhavener Rudels spricht er sich neben der Besenderung gegebenenfalls auch für sogenannte Vergrämungsmaßnahmen aus - ähnlich wie bei dem im Frühjahr 2016 erschossenen Wolf "MT6", genannt "Kurti". Vergrämung bedeutet, dass das Tier mit Farb- beziehungsweise Gummimunition beschossen und auf diesem Weg wieder menschenscheu gemacht werden soll. Im Fall "Kurti" hatte eine vorangegangene Vergrämung allerdings keinerlei Wirkung gezeigt: Der Wolf zeigte sich wenig beeindruckt vom Einsatz eines schwedischen Wolfsexperten, der extra nach Munster eingeflogen worden war.

"Jagen von Wild nie gelernt"

52 Risse von Schafen und sogar ausgewachsenen Rindern im Landkreis Cuxhaven von 2012 bis Ende Oktober 2017 sind laut Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz eindeutig Wölfen zuzuordnen. Dazu kämen noch zehn Fälle, die derzeit in Bearbeitung seien und bei denen noch nicht eindeutig feststehe, ob es sich um Wolfsangriffe handele, sagte eine Sprecherin des Wolfsbüros NDR.de. Dass das Rudel aus Cuxhaven sich mit Vorliebe über Rinder und Schafe hermacht, ist kein Zufall, sagt Hermann Kück, Wolfsberater in der Region: Der Grund sei der Verlust ihrer Eltern. "Die jungen Wölfe haben das Jagen von Wild nie gelernt und stattdessen angefangen, Nutztiere anzugreifen", sagte Kück im Oktober 2017 NDR.de. "Bei einer intakten Rudelstruktur würde dies nur in Ausnahmefällen vorkommen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 09.01.2018 | 16:00 Uhr

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