Stand: 31.01.2019 15:31 Uhr

Högel-Prozess: Schwere Vorwürfe gegen Vorgesetzte

Dem angeklagten früheren Krankenpfleger Niels Högel (3. v. l.) werden rund 100 Morde zur Last gelegt.

Am elften Tag des Prozesses gegen den bereits wegen Mordes verurteilten früheren Krankenpfleger Niels Högel haben drei ehemalige Kolleginnen vor dem Oldenburger Landgericht ausgesagt. Eine Pflegerin belastete dabei sowohl den angeklagten Högel als auch damalige Vorgesetzte schwer.

Wurden Vorfälle vertuscht?

Die 53-jährige Zeugin erinnerte sich bei ihrer Aussage gut an mindestens einen Fall im Frühjahr 2003. Sie habe Högel dabei beobachtet, wie er einem Patienten - der Anfang 50 war - eine Spritze setzte. Der Patient sei kurz darauf verstorben. Sie habe den Vorfall gemeldet. Ein Vorgesetzter habe ihr daraufhin entgegnet, dass sie sich nicht so anstellen solle, Menschen würden älter und würden sterben. Zudem sagte sie vor Gericht, dass die Mitarbeiter nach der Verhaftung von Högel im Jahr 2005 angewiesen wurden, nicht über das Thema zu sprechen, um den Ruf der Delmenhorster Klinik nicht zu schädigen.

Zeugin hat Angst vor Mitverantwortung

Im Gegensatz zu den detaillierten Schilderungen der 53-Jährigen wollte sich eine weitere Kollegin, die mittlerweile im Ruhestand ist, kaum an Högel und die damaligen Umstände erinnern. Der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann warf der Rentnerin vor, zu "mauern". Erst nachdem der Richter drohte sie zu vereidigen, rang sich die ehemalige Krankenschwester zu einer Erklärung durch. Dabei machte sie deutlich, dass sie große Angst habe, für Högels Taten mitverantwortlich gemacht zu werden. Sie sagte, sie wisse nicht, was sie sagen dürfe und was nicht.

Waren Taten ein offenes Geheimnis?

Eine weitere Zeugin erinnerte sich an ein Gespräch zweier Kollegen, das sie mitgehört habe. Einer der beiden Kollegen habe gesagt, dass man jetzt wisse, dass er Gilurytmal nehme. Daraus sei deutlich zu erkennen gewesen, dass sie über Högel sprachen, so die Zeugin. Högel verwendete das Mittel Gilurytmal, um bei den Patienten einen Herzstillstand herbeizuführen. Anschließend versuchte er sie wiederzubeleben, um als Held dazustehen.

Bereits Dutzende Tötungen eingeräumt

Dem früheren Krankenpfleger Niels Högel wird laut Anklage vorgeworfen, in den Jahren 2000 bis 2005 in den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst 100 Patienten mit Medikamenten getötet zu haben. Högel hatte im Verfahren Ende Oktober 43 Morde eingeräumt. Niels Högel ist bereits wegen weiterer Taten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 31.01.2019 | 13:30 Uhr

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