Die "MSC Zoe" Anfang Januar 2019 nach dem Verlust Hunderter Container in der Nordsee vor Borkum. © picture alliance/Havariekommando/dpa

Havariekommando: Riesenschiffe auf küstenferne Routen lenken

Stand: 11.11.2020 16:44 Uhr

Das niedersächsische Umweltministerium schätzt das Risiko für Unfälle mit Containerriesen entlang der Küstenrouten als "sehr groß" ein.

Das geht aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der FDP im Landtag hervor, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Hintergrund war die Havarie des Containerriesen "MSC Zoe" vor knapp zwei Jahren. Auch das Havariekommando mit Sitz Cuxhaven fordert deshalb, dass Großcontainerschiffe auf Routen weiter entfernt von der Küste Kurs auf die Deutsche Bucht nehmen. Das habe mehrere Vorteile.

Nähe zur Küste erhöht Risiko zu stranden

"Aus einsatztaktischer Sicht ist es ein Vorteil, wenn die Schiffe den küstenfernen Weg nutzen", sagte der Leiter des Havariekommandos Cuxhaven, Hans Werner Monsees. So bleibe im Havariefall mehr Zeit einzugreifen. Die "MSC Zoe" hatte seinerzeit Fahrwasser dicht unter den Ostfriesischen Inseln befahren, so das Umweltministerium. Von dort vergehen demnach - rein rechnerisch - keine 50 Minuten, bevor ein havarierter Megafrachter die Zehn-Meter-Tiefenlinie erreicht und strandet. Die Notschlepper der Wasser- und Schiffahrtsstraßenverwaltung könnten ein havariertes Großcontainerschiff in der Regel nicht in dieser Zeit erreichen, heißt es weiter in der Antwort des Umweltministeriums.

Landesregierung sieht Bund in der Pflicht

Die Landesregierung sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf vonseiten des Bundesverkehrsministeriums. Und auch die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste, der 200 Kommunen entlang der Nordsee angehören, fordert große Schiffe zwingend auf die küstenferneren Fahrwasser in der Deutschen Bucht umzuleiten.

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Regional Oldenburg | 11.11.2020 | 15:30 Uhr

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