Stand: 15.08.2019 10:41 Uhr

Gretas Atlantik-Reise: Erste Nacht überstanden

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Am Mittwoch ist die Jacht "Malizia II" in Südengland in See gestochen.

Die erste Nacht auf offener See und die ersten Duzend Seemeilen haben der Oldenburger Profi-Segler Boris Herrmann und die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg geschafft - und ein Delfin hat die Hochseejacht "Malizia II" auch schon auf ihrem Weg begleitet. Mittwochnachmittag ist das Team vom südenglischen Plymouth aus zu seiner Reise nach New York - einmal quer über den Atlantik - aufgebrochen. Social-Media-Nutzer wünschten der 16-jährigen Aktivistin viel Glück für ihre Reise. Am Ufer versammelten sich rund 200 Menschen mit Fahnen und Plakaten, um Greta und die Besatzung zu unterstützen und zu verabschieden. Am Donnerstagvormittag hat die Jacht die Gewässer westlich der französischen Bretagne erreicht, wie die Live-Ortung des Spezialbootes zeigt.

Ziel: Teilnahme am UN-Klimagipfel

Bis das Team in New York ankommt, wird es aber noch dauern. Für die Überfahrt mit der komplett emissionsfreien Jacht hat Boris Herrmann etwa rund zwei Wochen eingeplant. Von einer "großen Herausforderung", sprachen sowohl der Profi-Segler als auch Thunberg selbst bei einer Pressekonferenz kurz vor dem Ablegen. Die 16-jährige Thunberg will im September am UN-Klimagipfel mit vielen Staats- und Regierungschefs in New York teilnehmen.

Mit an Bord: Der Papa und ein Stoff-Kaninchen

An Bord der Segel-Jacht sind auch Thunbergs Vater Svante und ein Filmemacher, der eine Dokumentation über den Trip plant. Und ein "kleines Kaninchen" (aus Stoff natürlich), das Thunberg nach eigenen Worten von einem Freund geschenkt bekommen hat und das sie nun auf der Segelreise über den Atlantik begleitet. Nur wenige Menschen bekämen eine solche Möglichkeit, sagte Thunberg bei der Pressekonferenz. Vor einigen Tagen habe sie das Segeln schon einmal ausprobiert und sei dabei "nur eine oder zwei Minuten seekrank geworden", dann sei es wieder vorbei gewesen. Aber wie es auf dem Boot dann wirklich werde, müsse man sehen. "Seekrankheit könnte wirklich eine Herausforderung werden - aber andere Menschen leiden noch deutlich mehr", so Thunberg.

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Der Oldenburger Profi-Segler Boris Herrmann bringt Umweltaktivistin Greta Thunberg und ihren Vater über den Atlantik – mit der emissionsfreien Jacht "Malizia II". Video (03:01 min)

Umweltfreundliche Alternative zu Flugreise

Niemand könne genau sagen, wie lange die Überfahrt in dem Segelboot tatsächlich dauern werde, sagte Herrmann. Der Profi-Segler bedankte sich bei Thunberg für ihren Mut und ihr Engagement, mit dem sie die Menschen aufzurütteln versuche. Er hatte Thunberg im März auf einer "Fridays for Future"- Demonstration in seiner Wahlheimat Hamburg kennengelernt und ihr angeboten, sie nach New York zu bringen. Die junge Schwedin lehnt es ab zu fliegen, weil Flugzeuge immense Mengen an klimaschädlichen Treibhausgasen ausstoßen. Deshalb hatte sie schon länger nach einer klimaschonenderen Alternative für die Reise nach Amerika Ausschau gehalten.

Greta erwartet wenig Komfort

Das Boot ist mit Solarpaneelen und Unterwasserturbinen ausgestattet, mit denen die für Navigation und Kommunikation erforderliche Energie erzeugt wird. Komfort gibt es dagegen kaum an Bord der für Hochseerennen ausgestatteten "Malizia II": Unter Deck ist gerade genug Platz für zwei Rohrkojen. "Allzu bequem wird das nicht", sagte Herrmann NDR 1 Niedersachsen. Da es für Greta die erste Segeltour ihres Lebens sei, wolle man aber nicht so aufs Tempo drücken, so der Segler.

"Fridays for Future" begann vor einem Jahr

Der Start der Reise fällt fast auf den Jahrestag des Beginns von Thunbergs Aktivitäten: Am 20. August 2018 hatte sich die damals 15-Jährige vor den Stockholmer Reichstag gesetzt, um eine ehrgeizigere Klimaschutzpolitik Schwedens sowie das Einhalten der Pariser Klimaziele einzufordern. Daraus entwickelte sich die internationale Klimaschutzbewegung "Fridays for Future".

Trainingsfahrt für die Segelprofis

Für Hermann und seinen Kollegen Pierre Casiraghi - dem Sohn von Monacos Prinzessin Caroline  - ist der Trip dagegen eine Trainingsfahrt. Die beiden wollen Ende kommenden Jahres bei einer Regatta in weniger als 80 Tagen die Welt umrunden. Der 38-jährige Oldenburger hat das Segeln auf dem Bornhorster See in seiner Heimatstadt und auf dem Zwischenahner Meer gelernt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 15.08.2019 | 08:30 Uhr

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