Stand: 28.03.2019 20:04 Uhr

"Gorch Fock": Folgen für das Marinearsenal?

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Die Kosten für Sanierung der "Gorch Fock" sind auf 135 Millionen Euro in die Höhe geschnellt.

Die Kostenexplosion bei der Reparatur der "Gorch Fock" zieht weitere Konsequenzen nach sich. Das Verteidigungsministerium will offenbar Strukturen des für die Sanierung des Schiffes zuständige Marinearsenals (MArs) in Wilhelmshaven ändern. Das zeigen interne Unterlagen, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegen.

Reaktion auf Bundesrechungshof-Forderung

Demnach sollen die Koordinierung und das Management von Instandhaltungsaufgaben aus Wilhelmshaven abgezogen und ins Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) nach Koblenz verlagert werden. Das Ministerium reagiere mit dem Entwurf auf den Bericht des Bundesrechungshofes, hieß es. Dieser hatte angesichts des Finanzdesaster bei der Sanierung der "Gorch Fock" umfangreiche Konsequenzen gefordert.

300 Management-Stellen betroffen

Laut Informationen des "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND) sollen rund 300 Management-Stellen in Wilhelmshaven betroffen sein. Insgesamt arbeiten etwa 1.200 Mitarbeiter beim MArs. Neben Wilhemshaven gibt es Außenstellen in Kiel, Rostock und Wolgast. Im Dezember 2018 war bekannt geworden, dass sich ein Mitarbeiter des Marinearsenals selbst der Vorteilsnahme bezichtigt hat. Der Mann soll von der Elsflether Werft, die für die Sanierung der "Gorch Fock" zuständig ist, und einer weiteren Firma günstige Darlehen angenommen haben.

Möller: Marinearsenal schrumpft zur Reparaturwerkstatt

SPD-Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller kritisierte das Vorhaben. Das Marinearsenal würde, sollten die Pläne umgesetzt werden, zu einer reinen Reparaturwerkstatt schrumpfen. Aus Wilhelmshavener Sicht sei dies "nicht akzeptabel" und "nicht zielführend", so Möller. Die SPD-Verteidigungsexpertin plädiert stattdessen für einen gegensätzlichen Weg - eine Verlagerung der Instandsetzungseinheiten zu den Schiffen hin. So könnten Wege verkürzt werden, so Möller. Zudem forderte sie mehr Personal für das Marinearsenal. Unverständnis äußerte auch der Deutsche Bundeswehrverband (DBwV): Eine Verlegung von Planung und Management nach Koblenz würde niemandem nutzen, sagte Marco Thiele, Vorsitzender Marine beim DBwV.

Kosten auf bis zu 135 Millionen Euro gestiegen

Die Kosten für die Ende 2015 beauftragte Sanierung der "Gorch Fock" waren über die Jahre von 10 auf 135 Millionen Euro in die Höhe geschnellt. Im Dezember 2018 hatte Verteidigungsminister Ursula von der Leyen einen Zahlungsstopp angeordnet, der am 18. März wieder aufgehoben wurde. Bislang wurden laut Bundesregierung rund 69 Millionen Euro ausgegeben. Grund für die massive Kostensteigerung soll der schlechte Zustand des Schiffes sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.03.2019 | 19:00 Uhr

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