Gläubigertreffen Greensill Bank: Rückschlag für Kommunen?

Stand: 08.06.2021 18:33 Uhr

Die Geschädigten der Greensill Bank haben sich zur Gläubigerversammlung getroffen. Die Kommunen, unter anderem drei aus Niedersachsen, sind irritiert: Sie sind nicht im Gläubigerausschuss vertreten.

Für die Stadt Osnabrück geht es um 14 Millionen Euro, für Nordenham (Landkreis Wesermarsch) um 13,5 Millionen und für Garbsen (Region Hannover) um 8 Millionen - oder vielmehr darum, einen möglichst großen Teil dieser Einlagen aus der Insolvenzmasse der privaten Bank zurückzubekommen. Bei dem Treffen am Dienstag in Bremen haben die Gläubiger zunächst einen dauerhaften Gläubigerausschuss gewählt - und in dem haben die Kommunen keinen Fürsprecher mehr.

Banken, Einlagensicherung und Prüfverbände unter sich

Garbsens Bürgermeister Christian Grahl (CDU) ist nach eigenen Worten "irritiert", denn in dem Ausschuss sind nun Vertreter von Banken, Einlagensicherung und Prüfverbänden unter sich. Grahl spricht von einem Interessenmonopol im Gläubigerausschuss. Auch Nordenhams Bürgermeister Carsten Seyfahrt (SPD) kritisierte dies. Das Fehlen des kommunalen Vertreters und auch eines Vertreters der Jobcenter in dem Ausschuss sei ein "Nackenschlag" und "kein vertrauensbildendes Zeichen", so Seyfahrt. Beide zeigten sich aber optimistisch, Teile der Millionen wiederzubekommen.

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Fünf bis zehn Jahre, bis Gelder zurückgeholt sind?

Der bestellte Insolvenzverwalter habe schon bei der Lehmann-Pleite eine exzellente Arbeit geleistet und große Teile des verloren geglaubten Geldes zurück organisiert, sagte Grahl. Allerdings wird das seine Zeit dauern: Fünf bis bis zehn Jahre wird es brauchen, bis die Gelder wieder eingesammelt sind - und ob dann etwas für die Kommunen übrig bleibt, ist unklar. Laut einem Stadtsprecher wirkt sich das Fehlen der acht Millionen Euro in Garbsen zunächst nicht negativ aus. Große Bauprojekte wie das Schwimmbad oder ein neues Pumpwerk werden weiter gebaut.

Kommunen nicht über Entschädigungsfonds abgesichert

Vertreten werden die Kommunen von einer Anwaltskanzlei aus Hannover. Anders als bei Privatanlegern, die ihre Einlagen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro pro Kunde über die Entschädigungseinrichtung der deutschen Banken (EdB) zurückerhalten, sind die Einlagen von Kommunen nicht abgesichert. Über etwaige Klagen ist noch nicht entschieden worden, damit wird eher in der zweiten Jahreshälfte gerechnet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.06.2021 | 15:00 Uhr

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