Stand: 11.12.2019 18:58 Uhr

Frau misshandelt: Gewalttäter erneut vor Gericht

Bild vergrößern
Die beiden Serienstraftäter wurden bereits wegen drei ähnlicher Fälle verurteilt.

Es ist ein Prozess, in dem es um verstörende Brutalität geht: Vor dem Landgericht Verden müssen sich seit Mittwoch zwei Männer wegen schwerer Vergewaltigung, Geiselnahme und Menschenhandel verantworten. Die Angeklagten im Alter von 53 und 66 Jahren sollen im Februar 2006 im Haus des Älteren in Garlstedt (Landkreis Osterholz) eine damals 18-Jährige mehrere Tage lang gefangen gehalten und missbraucht haben. Vor elf Jahren waren die beiden Männer wegen drei ähnlicher Fälle aus dem Spätsommer 2006 bereits zu langen Haftstrafen verurteilt worden.

Freilassung nach Anrufen von Großvater

Die junge Frau aus Sehnde (Region Hannover) hatte sich laut Anklage auf eine Zeitungsanzeige für einen Promotion-Job gemeldet. Als sie zu dem Vorstellungstermin kam, soll sie der jüngere der beiden Angeklagten überwältigt haben. Der Mann habe sein Opfer gefesselt und mehrmals vergewaltigt. Der ältere Angeklagte habe dafür sein Haus zur Verfügung gestellt und auf Einnahmen aus Prostitution gehofft. Ziel soll es gewesen sein, die 18-Jährige an Männer zu vermitteln und so eine permanente Geldquelle zu erschließen. Die junge Frau wurde damals nur freigelassen, weil ihr Großvater sie vermisste und mehrfach auf ihrem Handy anrief. Daraufhin fürchteten die Entführer offenbar, dass die Polizei sie entdecken könnte.

Videos
29:46
7 Tage

7 Tage... unter Polizisten

12.06.2019 23:50 Uhr
7 Tage

Die einen werfen ihnen Gewalt und Amtsmissbrauch vor, die anderen fühlen sich von ihnen bei Krawall im Stich gelassen. Wer sind die Menschen, die wir meist nur in gepanzerter Uniform kennen? Video (29:46 min)

Traumatisiertes Opfer zeigt Peiniger erst spät an

Die Rechtsanwältin des Opfers sagte, ihre Mandantin sei durch das Geschehen schwer traumatisiert. Schon in Berichten über den ersten Prozess im Jahr 2008 habe sie ihre Peiniger wiedererkannt. Damals sei ihr aber gesagt worden, dass es für eine Anzeige schon zu spät sei. Erst 2015 habe sie mit Unterstützung der Opferhilfsorganisation Weißer Ring den Mut gefunden, die Männer anzuzeigen. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, brauchte es danach weitere Jahre bis zur Eröffnung des Prozesses, da die Verdener Richter überlastet waren.

Gesamtstrafe aus allen vier Fällen möglich

Der jüngere Gewalttäter war im ersten Prozess wegen seiner sadistischen Neigungen zu 14 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt worden. Der ältere Angeklagte war zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt worden, von denen er nach zwei Dritteln der Strafe auf Bewährung freigekommen war. Der Vorsitzende Richter sagte am Mittwoch, es sei möglich, dass alle vier Fälle zu einer Gesamtstrafe zusammengezogen werden.

Weitere Informationen

Fall Höxter: Urteil gegen Wilfried W. rechtskräftig

Das Urteil gegen Wilfried W. ist rechtskräftig. Er hatte in einem Haus in Höxter Frauen schwer misshandelt, zwei Niedersächsinnen starben. Der 48-Jährige muss elf Jahre hinter Gitter. (08.12.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 11.12.2019 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

01:00
Niedersachsen 18.00
02:20
Hallo Niedersachsen