Stand: 22.11.2018 12:06 Uhr

Fall Högel: Was droht den Klinik-Verantwortlichen?

Wegen der Mordserie des Ex-Krankenpflegers Niels Högel drohen auch mehreren leitenden Mitarbeitern der Kliniken Oldenburg und Delmenhorst strafrechtliche Konsequenzen.

Während vor dem Oldenburger Landgericht der Mammut-Mordprozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel läuft, taucht immer wieder eine Frage auf: Wann werden die Verantwortlichen an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst, die Högel trotz massiver Verdachtsmomente nicht gestoppt haben sollen, zur Rechenschaft gezogen? Bis zu neun Mitarbeiter der beiden Krankenhäuser müssen sich möglicherweise wegen Totschlags durch Unterlassen vor Gericht verantworten. Gegen zwei Ärzte und zwei Stationsleiter aus Delmenhorst hat das Landgericht Oldenburg das Hauptverfahren bereits eröffnet, gegen fünf leitende Mitarbeiter des Klinikums Oldenburg wird noch ermittelt.

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Termin erst nach Ende des Mordprozesses

Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg, Martin Koziolek, auf Anfrage von NDR.de mitteilte, sollen die Ermittlungen gegen die fünf Oldenburger Klinikmitarbeiter voraussichtlich Anfang kommenden Jahres abgeschlossen werden. Danach will die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob auch gegen sie Anklage erhoben wird. Bis es zu einem Prozess kommt, würde es allerdings trotzdem noch einige Zeit dauern. Zum einen müsse das Landgericht Oldenburg entscheiden, ob es die Klagen überhaupt zulässt, so Koziolek. Zum anderen werde auf jeden Fall der aktuelle Mordprozess gegen Högel abgewartet, damit der Ex-Krankenpfleger als Zeuge aussagen kann und die angeklagten Taten rechtskräftig festgestellt sind. Laut Koziolek ist Högel im Rahmen der bisherigen Vernehmungen bereits zu der Rolle der Klinikmitarbeiter befragt worden.

Ermittler durchsuchen Dienst- und Privaträume

Bei den fünf Beschuldigten aus Oldenburg soll es sich nach Informationen der "Nordwest-Zeitung" um den damaligen Leiter der herzchirurgischen Intensivstation 211, den damaligen Chefarzt der Herzchirurgie, den Chefarzt der Anästhesie, die damalige Pflegedirektorin und den damaligen Geschäftsführer des Klinikums handeln. Im Mai hatte die Polizei die Diensträume und die Privatwohnung des Stationsleiters durchsucht. Dabei wurden elektronische Speichermedien und Unterlagen sichergestellt. Der Beschuldigte soll bereits 2001 eine handschriftliche Strichliste geführt haben, auf der die auffällig häufige Beteiligung von Högel an Reanimationen und Sterbefällen dokumentiert war.

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Die vier bereits angeklagten Mitarbeiter aus Delmenhorst sollen Högel im Jahr 2005 nicht rechtzeitig an weiteren Morden gehindert haben, obwohl er bereits auf frischer Tat erwischt worden war. Damit hätten sie bis zu fünf weitere Morde billigend in Kauf genommen, so die Staatsanwaltschaft. Högel hatte Patienten gefährliche Substanzen gespritzt, um sie anschließend wiederzubeleben. Auf diese Weise soll er an den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst mindestens 106 Menschen getötet haben.

OLG lässt weitere Anklage zu

Das Landgericht Oldenburg hatte zunächst lediglich die Klagen gegen zwei Delmenhorster Ärzte und den damaligen Leiter der Intensivstation zur Hauptverhandlung zugelassen. Im Fall von drei weiteren Beschuldigten sahen die Richter keinen hinreichenden Tatverdacht. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Oldenburg, der im Rahmen der früheren Ermittlungen gegen Högel schwere Versäumnisse vorgeworfen worden waren, Beschwerde ein. Der Strafsenat des Oberlandesgerichts (OLG) gab der Anklagebehörde in einem Fall recht.

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