Stand: 27.04.2018 08:27 Uhr

Ende von Ölkatastrophen? Neues Bakterium entdeckt

Bild vergrößern
Tritonibacter Horizontis - so heißt das neue Bakterium, das Öl "fressen" kann.

Es klingt nach einer utopischen Wunschvorstellung: Verunglückt ein Schiff auf dem Meer und verliert dabei Öl, wird eine Ladung Bakterien in das verschmutzte Wasser gegeben - und die Bakterien "fressen" das Öl einfach auf. Ölkatastrophen wären keine Gefahr mehr. Forschern der Universität Oldenburg ist nun aber tatsächlich ein großer Schritt hin zur Verwirklichung dieser Utopie gelungen. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, haben sie eine neue Bakterienart gefunden, die tatsächlich Öl zersetzen kann.

Fundort: "Deepwater Horizon"

Zwei Jahre lang erforschten die Experten vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) Ölreste von der "Deepwater Horizon". Vor acht Jahren war die Ölplattform im Golf von Mexiko explodiert. Bei einer der größten Ölkatastrophen überhaupt flossen geschätzt 800 Millionen Tonnen Rohöl ins Meer. In den Ölresten aus tiefen Meeresschichten stießen die Oldenburger Forscher auf die neue Bakterienart.


Ölabbauprodukte werden zerkleinert

Bild vergrößern
Prof. Andreas Teske (links) und Helge Ansgar Giebel von der Uni Oldenburg forschen an dem Bakterium.

Tritonibacter Horizontis - so wird die Art genannt. Den Namen durfte Helge Ansgar Giebel von der Uni Oldenburg vergeben, der die neue Art zusammen mit seinem Team entdeckt und analysiert hat. Das Besondere: Offenbar hat das Bakterium im Laufe der Jahre von anderen Bakterien gelernt und vereint jetzt viele verschiedene Eigenschaften von verwandten Arten. Es könne also mehr als nur einen Nährstoff wie Zucker oder Aminosäuren verarbeiten, sagte Umweltwissenschaftler Giebel. "Es kann verschiedene Ölabbauprodukte abbauen. Das heißt, es kann die Dinge weiter verstoffwechseln und zerkleinern. Dann kann ein anderes Bakterium, das vielleicht mit Ölabbau gar nichts zu tun hat, da weiter machen", sagte Giebel.

Praxisreife dauert wohl noch zehn Jahre

Die Ergebnisse der Oldenburger wurden jetzt in international renommierten Wissenschaftsmagazinen veröffentlicht - ein großer Erfolg. Bis allerdings ganze Ölteppiche mit eigens dafür gezüchteten Bakterien unschädlich gemacht werden können, muss noch viel geforscht werden. Giebel rechnet mit etwa zehn Jahren. Erste Institute haben sich schon in Oldenburg gemeldet, um Proben des neu entdeckten Bakteriums zu bekommen.

Weitere Informationen

Forscher finden älteste Spuren von Leben

Geobiologen der Uni Göttingen haben die bisher ältesten Spuren von Leben entdeckt. Sie konnten organische Verbindungen in 3,5 Milliarden Jahre alten Gesteinen nachweisen. (23.03.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 27.04.2018 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:33
Hallo Niedersachsen

Ihme-Zentrum: Was plant Lars Windhorst?

21.03.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:32
Hallo Niedersachsen

Missbrauch in Lügde: Landrat räumt Fehler ein

21.03.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:02
Hallo Niedersachsen

200.000 Eichen für den Solling

21.03.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen