Stand: 20.08.2020 08:46 Uhr

Leuchtturm Campen: Niedersachsens höchste Baustelle

von Silke Rudolph

Silbern glitzert das Bauwerk in Ostfriesland in der Sonne, 65 Meter hoch, mit einem Fahrstuhl geht es nach oben. Was bei Social Media schon als Raketenabschussrampe bezeichnet wurde, ist in Wahrheit Deutschlands höchster Leuchtturm, der Campener Leuchtturm in der Gemeinde Krummhörn (Landkreis Aurich) - allerdings eingerüstet und mit einem Netz und einer Plane verpackt. Denn der Stahlkoloss von 1890 muss instand gesetzt werden. Vor allem der Regen hat für Korrosionsschäden gesorgt. Die letzte Maßnahme dieser Art gab es vor 28 Jahren.

VIDEO: Sanierungsarbeiten in schwindelerregender Höhe (3 Min)

Regen erschwert Arbeiten

Auf der Baustelle in etwa 45 Meter Höhe ist es laut und staubig. Der Stahl wird abgestrahlt. Schicht für Schicht muss herunter. Kurt Weber ist der Bauleiter, er überwacht die Arbeiten. Da es am Vortag viel geregnet hat, zeigen sich schon einige Roststellen. Das lasse sich auch gar nicht verhindern, so Weber. "Wir können den Turm nicht total abdichten. Wir können ihn etwas vor Wasser schützen, aber komplett geht das nicht, dafür ist dieser Bereich zu komplex. So, wie das jetzt aussieht, ist das nicht für die Weiterbeschichtung geeignet. Das werden wir nacharbeiten."

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Einmalige Gelegenheit, überall heranzukommen

Jeder Arbeitsschritt wird abgenommen und begutachtet. Auch vom Projektingenieur Rainer-Jörg Oldewurtel vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ems-Nordsee. "Man muss es so sehen, dass wir jetzt einmal die Möglichkeit haben, in fast 30 Jahren an jede Stelle heranzukommen", sagt er. "Die gucken wir uns ganz genau an, und wenn es dann so erscheint, dass etwas gemacht werden müsste, tun wir das sofort. So schnell haben wir die Möglichkeit nicht mehr."

Handarbeit 63 Meter über dem Boden

Weiter oben, in 63 Meter Höhe knapp unter dem Leuchtturmkopf, haben zwei Arbeiter schon begonnen, die Nieten und Schrauben mit einer Anti-Korrosionsschicht zu streichen, bevor die zweite von fünf Beschichtungen aufgesprüht wird. Und auch dafür muss das Wetter stimmen. "Gestern war es zu nass, wir konnten nicht malen - und auch wegen des Gewitters mussten wir weiter unten arbeiten, Sachen vorbereiten, aufräumen", erzählt Ali Riza, einer der Arbeiter. "Das Bemalen der Nieten muss ganz ordentlich ausgeführt werden, sodass keine Stelle frei bleibt, wegen der Korrosion. Das ist echte Handarbeit", erklärt Kurt Weber. Zurzeit seien nur fünf Arbeiter auf der Baustelle. Wenn das Beschichten richtig losgeht, werden es bis zu 30 sein, wie der Bauleiter erzählt.

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Landschaft Krummhörn mit dem Pilsumer Leuchtturm © NDR Foto:  Karin Wilkerling, Bispingen

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Der Campener Leuchtturm wurde kurz nach dem Pariser Eiffelturm erbaut. Seit 1891 ist er als Schifffahrtszeichen in Betrieb. Sein Leuchtfeuer strahlt bei guter Sicht bis zu 30 Seemeilen, also gut 50 Kilometer hinaus in die Nordsee. Damals war diese Stahl-Bauweise schick und modern. Heute würde man wohl nicht mehr so bauen, meint Rainer-Jörg Oldewurtel. "Heutzutage ist es schwierig, wenn man das abstrahlen muss. Es ist sehr wenig Abstand zwischen den einzelnen Profilen. Die Männer da oben leisten wirklich gute Arbeit."

Zeitdruck wegen der Herbststürme

Ziel ist es, bis Ende Oktober fertig zu sein. Denn dann kommen die Herbststürme und die Luftfeuchtigkeit wird höher. Das ist für das Auftragen des Lacks schwierig. Wenn alles planmäßig läuft, wird dann der Campener Leuchtturm wieder wie in den vergangenen 130 Jahren aussehen: Ein weißer Turm mit einem roten Stahlgerüst. 

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Der Leuchtturm von Pilsum. © picture alliance / Arco Images G Foto: R. Frank

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Hallo Niedersachsen | 19.08.2020 | 19:30 Uhr

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