Das Atomkraftwerk in Biblis. © dpa-Bildfunk Foto: Boris Roessler

Castor-Transport ist auf dem Weg nach Nordenham

Stand: 28.10.2020 11:59 Uhr

Ein Schiff mit Atommüll ist laut Atomkraftgegnern auf dem Weg nach Nordenham. Anschließend rollt der Transport auf der Schiene weiter ins hessische Biblis. Aktivisten haben Proteste angekündigt.

Am Dienstagabend habe die "Pacific Grebe" mit sechs Castor-Behältern an Bord den britischen Hafen Barrow-in-Furness verlassen, schreibt das Bündnis "Castor stoppen". Die Atomkraftgegner rechnen mit dessen Ankunft in Nordenham am Freitag oder Sonnabend. Eine offizielle Bestätigung für die Angaben gab es nicht. Die Castoren aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield sollen in Nordenham auf einen Güterzug verladen und von dort aus durch Niedersachsen zum Zwischenlager am hessischen Atomkraftwerk Biblis gebracht werden.

Proteste entlang der Zugstrecke geplant

Atomkraftgegner haben Proteste in Nordenham und entlang der möglichen Bahnstrecke angekündigt. So wollen sie kurz vor der Ankunft des Schiffes in Nordenham eine Paddeldemo auf der Weser starten. In Oldenburg, Bremen, Nienburg, Göttingen, Köln und Biblis sind Mahnwachen geplant. Annette Ramaswamy von der Göttinger Anti-Atom-Initiative erklärte: "Wir wenden uns entschieden gegen jegliche Atommüllverschiebung, solange es noch kein geeignetes Endlager gibt und der Atommüll lediglich in ein Zwischenlager gebracht wird." Der Transport sei "hoch riskant", weil auch der verpackte Müll noch extrem stark in die Umgebung strahle. Die Sprecherin des Aktionsbündnisses "Castor stoppen", Silke Westphal, ergänzte: "Atommüll von einem ungeeigneten Ort an einen anderen ungeeigneten Ort zu verschieben, ist unabhängig von erklärten Pandemie-Lagen nicht nur unnötig, sondern falsch."

Seehofer lehnte Bitte um Verschiebung ab

Niedersachsen hatte zuvor versucht, angesichts der Corona-Pandemie eine Verschiebung des Termins zu erreichen. Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte in einem Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erklärt, dass er den Transport unter anderem aufgrund der hohen Infektionszahlen in vielen Gegenden für "nicht vertretbar" halte. Trotz eines geplanten Hygienekonzepts würde die Begleitung des Transports "erhöhte Infektionsrisiken für die Einsatzkräfte" mit sich bringen. Auch die Polizeigewerkschaft hatte darauf gedrängt, den Transport zu verschieben. Die Bundesregierung lehnte die Bitten jedoch ab. Deutschland sei vertraglich verpflichtet, seinen Atommüll zurückzunehmen. Dem wolle man nachkommen. Der Transport war zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr bereits einmal verschoben worden. Im März hatte Seehofer noch erklärt, dass der von 6.000 Bundespolizisten begleitete Transport wegen der Ausbreitung des Coronavirus nicht zu verantworten sei.

Vier weitere Castor-Transporte bis 2024

Bis 2024 sind noch vier weitere Castor-Transporte geplant. 20 Behälter aus Sellafield und fünf aus dem französischen La Hague sollen in den kommenden Jahren nach Deutschland gebracht werden. Angefahren werden dann die Zwischenlager an den Atomkraftwerken in Biblis, im baden-württembergischen Philippsburg, das Kernkraftwerk Isar im bayerischen Ohu und das im schleswig-holsteinischen Brokdorf.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.10.2020 | 12:00 Uhr

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