Mitarbeiter transportieren mit Hilfe eines Schwerlastkrans einen blauen Castorbehälter. © Picture Alliance Foto: Boris Roessler

Bund will trotz Corona an Castor-Transport festhalten

Stand: 21.10.2020 19:06 Uhr

Anfang November soll Atommüll aus der englischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield über Nordenham ins hessische Biblis transportiert werden. Hunderte Polizisten begleiten die Fahrt.

"Man kann nur hoffen, dass da vielleicht in Berlin noch Einsicht einkehrt", sagte eine Sprecherin der niedersächsischen Landesregierung am Mittwoch. Innenminister Boris Pistorius (SPD) sieht angesichts der zu erwartenden Demonstrationen - auch mit Corona-Hygienekonzept - "erhöhte Infektionsrisiken für die Einsatzkräfte". Er hatte den Bund deshalb gebeten, den Castor-Transport zu verschieben.

Bundesregierung will Transport "zeitnah" abwickeln

Doch in der Hauptstadt wollen die Verantwortlichen offenbar an dem Atommüll-Transport festhalten. In einem Schreiben des Bundesumweltministeriums, das NDR 1 Niedersachsen vorliegt, heißt es: "Die Bundesregierung verfolgt das Ziel einer zeitnahen vollständigen Erfüllung der Verpflichtung zur Rückführung der radioaktiven Abfälle aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente." Dem Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base) zufolge gilt die aktuelle Transportgenehmigung bis zum 31. Dezember. "Sollte der Transport danach stattfinden, müsste der Beförderer eine neue Transportgenehmigung beantragen", teilte das Amt mit.

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Bundesumweltministerium verweist auf Schutzmaßnahmen

Dass man den Castor-Transport im Frühjahr verschoben hatte, sei vorsorglich erfolgt, weil die Pandemie-Situation noch unbekannt gewesen sei, schreibt das Bundesumweltministerium. Jetzt aber habe man Maßnahmen zum Gesundheitsschutz eingeführt, um die Mitarbeiter zu schützen. Innenminister Pistorius dagegen hält einen Transport für "nicht vertretbar", wie er Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) geschrieben hatte. Denn der Transport würde zahlreiche Landkreise und Städte passieren, in denen die Corona-Inzidenzwerte überschritten seien, so der niedersächsische Innenminister.

Linken-Politiker Perli sieht Widerspruch in Plänen

Auch der Linken-Bundestagsabgeordnete Victor Perli aus Wolfenbüttel findet, es passe nicht zusammen, die Bürger aufzurufen, Kontakte zu vermeiden, wenn gleichzeitig 6.000 Polizisten einen Atommüll-Transport durch die halbe Republik begleiten müssten.

Hessen sieht keinen Grund für Verschiebung

Die hessische Landesregierung sieht sich indes auf den Castor-Transport nach Biblis vorbereitet. Es gebe keine Bitte um eine erneute Verschiebung des Transports, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Mittwoch. "Ob er stattfindet oder nicht, entscheidet das Bundesinnenministerium."

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Polizisten bewachen einen Zug mit Castoren. © dpa Foto: Bernd Wüstneck

Niedersachsen will Castor-Transport wegen Corona verschieben

Innenminister Pistorius hat sich in einem Brief an Bundesinnenminister Seehofer gewandt. Er bittet um erneute Prüfung. (20.10.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder - der Tag | 21.10.2020 | 16:00 Uhr

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