Bremerhaven: Motiv für Armbrust-Angriff weiter unklar

Stand: 20.05.2022 15:31 Uhr

Nach dem Angriff mit einer Armbrust an einem Bremerhavener Gymnasium sind die Hintergründe weiter unklar. Laut Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Verdächtigen.

"Diesen Hinweisen gehen wir nach", sagte Oberstaatsanwalt Oliver Constien am Freitag. Der Tatverdächtige selbst mache von seinem Schweigerecht Gebrauch. Der 21-Jährige sitzt seit Donnerstagabend in Untersuchungshaft. Ihm wird versuchter Mord vorgeworfen. Die Frau, die er angegriffen haben soll, schwebt laut Constien weiter in Lebensgefahr. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dem Opfer um eine ältere Mitarbeiterin des Gymnasiums. Der Verdächtige soll mit einer Armbrust auf sie geschossen haben.

Suche nach Motiv und Hintergründen

Um den Tathergang weiter rekonstruieren zu können, war die Polizei am Freitag erneut am Tatort. "Die Ermittlungen nehmen jetzt noch mal richtig Fahrt auf", sagte eine Polizeisprecherin. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass der 21-Jährige allein gehandelt hat. Bereits am Donnerstag hatten sie mehrere Objekte durchsucht, um Erkenntnisse über das Motiv des jungen Mannes zu gewinnen. Unklar ist ebenfalls noch, ob sich Täter und Opfer kannten. Auch in welcher Beziehung der junge Mann zu der Schule steht, ist noch nicht bekannt.

Armbrust und weitere Waffen sichergestellt

Bisherigen Ermittlungen zufolge soll der 21-Jährige am Donnerstag gegen 9.15 Uhr in das Gebäude des Lloyd Gymnasiums eingedrungen sein und die Mitarbeiterin der Schule mit einer Armbrust lebensgefährlich verletzt haben. Er wurde kurz darauf in der Nähe der Schule festgenommen. Bei der Festnahme des 21-Jährigen sei auch die mutmaßliche Tatwaffe gefunden worden, so die Staatsanwaltschaft. Zudem beschlagnahmten die Ermittler eine Schreckschusswaffe und zwei Messer.

Polizei verstärkt Präsenz in der Stadt

In den sozialen Medien tauchte nach der Tat ein Video von der Festnahme des 21-Jährigen auf. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Echtheit der Aufnahme. Darauf ist zu sehen, wie der mutmaßliche Täter an einer vielbefahrenen Kreuzung vor einer Ampel sitzt. Als die Polizei sich mit Blaulicht nähert, legt der Mann sich flach auf den Boden und lässt sich widerstandslos festnehmen. Die Polizei war am Freitag mit erhöhter Präsenz in der Stadt unterwegs. Ziel sei es, das Sicherheitsbedürfnis der Menschen zu stärken, so eine Sprecherin. Darüberhinaus stünden die Beamten auch in allen Schulen für Gespräche zur Verfügung.

140 Menschen harren stundenlang in der Schule aus

Laut Bremerhavener Schulbehörde hatten sich während des Angriffs etwa 140 Menschen in dem Schulgebäude aufgehalten. Wegen der laufenden Abiturpüfungen seien es sehr viel weniger als der sonst üblichen mehr als 500 Menschen gewesen, hieß es. Gemeinsam mit den Lehrkräften verbarrikadierten sich die Schülerinnen und Schüler in den Klassenräumen, wo sie mehrere Stunden verbrachten. Das Schulgelände wurde großräumig abgesperrt, Spezialeinsatzkräfte durchsuchten das Gebäude, um sicherzustellen, dass keine weitere Gefahr bestand. Gegen 13.30 Uhr konnten alle Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte begleitet von Einsatzkräften das Gebäude verlassen.

Notfallplan an der Schule hat funktioniert

Kurz nach dem Angriff auf die Mitarbeiterin am Morgen war der Notfallplan der Schule ausgelöst worden. Ein 16-jähriger Schüler berichtete, dass über die Lautsprecher der Codesatz für einen Amoklauf an der Schule mehrfach durchgesagt wurde. Daraufhin hätte die Lehrerin die Tür verschlossen und alle hätten sich auf den Boden gelegt. Bremerhavens Schuldezernent Michael Frost (parteilos) sagte: "Das ist das schlimmstmögliche Ereignis, das passieren kann." Die Schule sei aber sehr gut auf einen solchen Fall vorbereitet gewesen. "Wenn es heute eine gute Nachricht gibt, dann ist es diese", so Frost.

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 20.05.2022 | 15:00 Uhr

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