Stand: 10.01.2018 14:20 Uhr

Lüneburgs Bürgermeister auf rechtem Youtube-Kanal

Der Bürgermeister von Lüneburg, Gerhard Scharf (CDU), steht in der Kritik. Er hatte sich angeblich unwissentlich auf ein Gespräch mit einem rechten Videoblogger eingelassen und über einen Gedenkstein für die 110. Infanterie-Division im Nationalsozialismus in Lüneburg geredet. Die Stadt verteidigt Scharf, den Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Er habe versichert, dass er arglos und ohne böse Hintergedanken mit seinem unbekannten Gegenüber gesprochen hätte. Seine Äußerungen seien geschickt von dem Videoblogger für seine eigenen Zwecke vereinnahmt worden.

Uni-Dekan fordert Rücktritt

Die Stadtratsfraktion der Linken wirft dem Christdemokraten Scharf dagegen vor, dass er die Verbrechen der Wehrmacht bagatellisiere. Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) sprach von "unglücklichen Äußerungen." Der Dekan der kulturwissenschaftlichen Fakultät der Leuphana Universität, Professor Ulf Wuggenig, sieht einen Versuch Scharfs, Wehrmachtssoldaten zu rehabilitieren. Er forderte deshalb den Rücktritt des stellvertretenden Bürgermeisters.

"Historische Fakten muss man benennen"

Nach Aussagen des Videobloggers war dieser am 2. Januar in Lüneburg unterwegs. Dabei kam es zum zufälligen Zusammentreffen mit Scharf an dem Gedenkstein, auf den Unbekannte die Worte "Deutsche Täter" gesprüht hatten. Scharf hatte in dem Video über die Rolle der 12.000 Soldaten gesprochen, die mit der 110. Infanterie Division an der Ostfront eingesetzt waren. Sie seien nicht alle abkommandiert gewesen, um die russische Zivilbevölkerung zu vernichten. "Ich nehm' kein Blatt vor den Mund, historische Fakten muss man als solche benennen", ist Scharf zu hören. Zu sehen ist er in dem Video kaum. Nur ein Mal läuft er durchs Bild.

Titel des Videos: "Auf der Pirsch in Lüneburg"

Bei dem Videoblogger handelt es sich um Nikolai N., der unter dem Pseudonym "Der Volkslehrer" auftritt. Das Video ist unter dem Titel "Auf der Pirsch in Lüneburg - ein Bürgermeister spricht Klartext" hochgeladen. N. spricht in Bezug auf den Gedenkstein von "antideutscher Propaganda." Scharf ist daraufhin mit einem zustimmenden "natürlich" zu hören. Es gebe kein Land, das "nicht seine Soldaten ehrt." Er sei kein "Ultrarechter, aber ich trete dafür ein, dass historische Wahrheiten als solche benannt werden."

"Was ich gesagt habe, können Sie verwerten"

Erst danach fragt Scharf den Mann mit der Kamera, wer er sei. N. gibt an, dass er in Lüneburg aufgewachsen sei, in Berlin lebe und "Geschichtsklitterung und Redeverbote" nicht ertrage. Scharf sagt, er wolle zwar nicht gefilmt werden, aber "was ich gesagt habe, können Sie verwerten." Nach Mitteilung der Stadt sei Scharf nicht klar gewesen, mit wem er rede und dass das Gespräch im O-Ton aufgezeichnet wurde. Sonst wären bei ihm "sicherlich die Antennen für die permanente Vereinnahmung und Wertung seiner Worte geschärft gewesen."

Videoblogger vom Schuldienst suspendiert

Der Videoblogger arbeitet als Grundschullehrer in Berlin und ist wegen seiner Filme jüngst vom Schuldienst suspendiert worden. Außerdem läuft eine Strafanzeige. In seinen Videos hetzt der 37-Jährige gegen Politiker und verbreitet Verschwörungstheorien. Darüber hatte zuerst der Berliner "Tagesspiegel" berichtet.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.01.2018 | 12:00 Uhr

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