Stand: 29.01.2019 10:49 Uhr

Wölfe zu schlau: Jetzt kommt die Schlingen-Falle

21 Wolfsrudel gibt es in Niedersachsen. Wölfe mit Sendern auszustatten, ist bislang aber kaum gelungen, weil die Tiere sich schlicht nicht fangen ließen.

Zu schlau, um in die Falle zu tappen: Seit der Ankündigung von Umweltminister Olaf Lies (SPD), bestimmte Tiere aus Niedersachsens 21 Wolfsrudeln mit einem Sender auszustatten, ist es nicht gelungen, einen Wolf dafür einzufangen. Die bislang genutzten Kastenfallen haben sich offenbar als wirkungslos entpuppt. Nun soll sich aber buchstäblich die Schlinge um die cleveren Raubtiere ziehen. Experten der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) wollen Schlingenfallen einsetzen, um endlich besendern zu können. Auch das Umweltministerium glaubt an die Methode und unterstützt das Projekt finanziell.

Wölfe fallen nicht auf Kästen rein

Das Prinzip von Schlingenfallen ist einfach: Die Falle selbst wird mit Laub getarnt. Tappt ein Wolf hinein, zieht sich die Schlinge zu und das Tier bleibt hängen. Wegen ihrer Effektivität nutzen beispielsweise Wilderer in Asien bevorzugt diesen Fallentyp, jedoch birgt er ein hohes Verletzungsrisiko: Oft wird als Schlinge ein dünner Nylonfaden benutzt, der sich ins Fleisch der Tiere schneidet. Aus Artenschutzgründen sind Schlingenfallen in Deutschland deshalb verboten, Kastenfallen die einzig erlaubte Alternative. Doch Wölfe sehen die Kästen als Fremdkörper. Reingehen? Lieber nicht.

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Schlingenfalle der schonenden Art

Laut Ursula Siebert von der TiHo sollen für die neuen Fallen Schlingen aus dickerem Metall genutzt werden, die für die Haut von Wölfen ungefährlich sind. Sie sind bereits nach Artenschutz und Jagdrecht genehmigt. Außerdem gibt es eine entsprechende Tierversuchsgenehmigung. Der Naturschutzbund (NABU) in Niedersachsen hält die zertifizierten Schlingenfallen für unbedenklich: "Allerdings muss zwingend darauf geachtet werden, dass das Tier schnell und unverletzt wieder freigelassen wird", so NABU-Sprecher Philip Foth. Um das zu gewährleisten, sei ein Forscherteam nicht nur beim Scharfstellen der Falle dabei, sondern warte solange ab, bis ein Wolf die Schlinge auslöst, bestätigt TiHo-Expertin Siebert. Das sei bei jedem Fallen-Typ Usus. Zudem könne so sichergestellt werden, dass sich keine anderen Tiere in den Schlingen verfangen. "Natürlich haben wir begrenztes Personal und können keine 50 Fallen über ganz Niedersachsen verteilen", sagt Siebert. Zunächst solle daher an wenigen Standorten gestartet werden - dafür bereits in den nächsten Wochen.

Forscher: Erst Wölfe beobachten, bevor man sie beobachten kann

Welche Standorte das sind, werde noch festgelegt: "Wir müssen erst einmal schauen, wo sich viele Wölfe aufhalten", so Siebert. So braucht es also zunächst einen Überblick über die Bewegung eines Wolfs, bevor er gefangen und seine Bewegung per Peilsender verfolgt werden kann - so paradox das klingt. Dabei helfen sollen Daten von Foto-Fallen oder Zeugenhinweise, also klassisches Wolfs-Monitoring. Am Ende sollen bestimmte Tiere besser überwacht werden können, wie Umweltminister Lies es bei dem Exemplar angekündigt hat, das angeblich einen Mann in Steinfeld (Landkreis Rotenburg) attackierte. Frank Fass vom Wolfscenter in Dörverden hat am Erfolg jedoch seine Zweifel. Nicht nur, dass Schlingenfallen vor dem Verbot in Deutschland lange genutzt worden seien und die Idee daher ein alter Hut sei. Darüber hinaus fragt Fass: "Wie will man sicher gehen, dass aus einem Rudel ausgerechnet der gesuchte Wolf in die Falle tappt?" Sicher ist nur: Die Schlingenfalle wird ihre Effektivität erst noch unter Beweis stellen müssen.

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Dieses Thema im Programm:

Regional Oldenburg | 28.01.2019 | 17:00 Uhr

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