"Der Wandel ist endlich angekommen - und er wird bleiben"

Stand: 01.05.2021 08:00 Uhr

Die Corona-Krise wirkt wie ein Katalysator auf die längst überfällige Transformation und Digitalisierung der Arbeitswelt. Ein Prozess, der auch in Zukunft viele Chancen bietet.

von Holger Schellkopf

Mit Digitalisierung oder gar Transformation hat es im Grunde wenig zu tun - und dennoch passt es irgendwie in die Zeit, dass der Tag der Arbeit in diesem Jahr ausgerechnet auf einen Sonnabend fällt. Es ist eben vieles anders geworden in der Arbeitswelt. Über das Für und Wider eines Feiertags am Wochenende dürfen sich gerne Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften streiten, die tatsächlichen Veränderungen finden ohnehin an anderer Stelle statt. Die gute Nachricht dabei: Diese Veränderungen werden auch die oben Genannten nicht stoppen können, selbst wenn sie es an der einen oder anderen Stelle wohl gerne tun würden.

Wandel erst durch Corona: Keine Auszeichnung

Ein Portrait von Holger Schellkopf. © Holger Schellkopf
Holger Schellkopf ist Chefredakteur des Digital-Magazins t3n aus Hannover.

Machen wir uns nichts vor: Dass es erst eine Corona-Pandemie gebraucht hat, damit ein Wandel, der längst überfällig war, endlich richtig Fahrt aufnehmen konnte, ist nicht unbedingt eine Auszeichnung für die Erneuerungsfähigkeit unserer Gesellschaft. Aber immerhin, der Katalysator wirkt. Das Corona-Jahr war für die Transformation der Arbeitswelt so eine Art Hundejahr, sprich: Es ermöglichte oder besser erzwang Weiterentwicklung, für die es sonst locker das siebenfache an Zeit gebraucht hätte. Am augenfälligsten ist dabei natürlich die explosionsartige Verbreitung von Mobile Work (Homeoffice klingt irgendwie immer noch nach Couch, deshalb führt der Begriff potenziell in die Irre).

Bewiesen: Es braucht kein Büro für Arbeit

Wir haben bewiesen, dass es für Arbeit nicht unbedingt ein Büro braucht. Im Gegenteil, viele Menschen sind im vertrauten heimischen Umfeld sogar wesentlich produktiver als inmitten der ebenso geschäftigen wie manchmal ablenkenden Kollegen und Kolleginnen. Das hat häufig auch damit zu tun, dass die Menschen nun viel eher in den für sie passenden Zeitfenstern arbeiten können, als dies im strikten Bürobetrieb machbar/gewünscht/gewohnt ist.

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Ergebnisse statt langer Tage am Schreibtisch

Gleichzeitig haben althergebrachte Muster quasi über Nacht an Bedeutung verloren. Präsenzzeit im Büro, der/die Erste im Büro - der/die Letzte am Abend, ist als Nachweis für erfolgreiche Arbeit völlig untauglich geworden (das war es eigentlich schon immer, aber irgendwie wurde es nicht hinterfragt). Stattdessen stehen jetzt die Arbeitsergebnisse im Vordergrund. Wenn man so will geht nun Qualität vor Quantität. Von dieser Veränderung profitieren Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ebenso wie die Unternehmen. Im übrigen könnte das auch endlich für die dringend notwendige bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sorgen. Wir leisten uns hier schon viele zu lange eine Unbeweglichkeit, die gesellschaftlich untragbar und wirtschaftlich absurd ist.

Eine Frau arbeitet im Hoeoffice am Laptop und telefoniert. © dpa picture alliance Foto: Sebastian Gollnow
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Virtualisierung ist Realität - keine Vision

Das alles klappt allerdings nur, wenn die notwendigen Voraussetzungen dafür geschaffen sind. Dazu gehört natürlich ein hohes Maß an Digitalisierung. Abstimmungsprozesse, Konferenzen, aber auch der einfache Zugriff auf sämtliche Arbeitsmittel und die Abbildung sämtlicher Arbeitsprozesse müssen ortsunabhängig und weitestgehend auch zeitlich flexibel möglich gemacht werden. Hier hat die Corona-Krise den Proof of Concept erzwungen. Die Virtualisierung der Arbeit ist längst keine Zukunftsvision mehr, sie ist Realität. Vor allem aber ist sie gekommen um zu bleiben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.05.2021 | 08:00 Uhr

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